schupplade

SlutWalk Frankfurt a/Main

Zur freundlichen Beachtung:

SlutWalk, Samstag, 13.o8.2011, 15.oo Kaisersack (ggü. Ffm Hbf), Frankfurt a/Main

http://slutwalkfrankfurt.tumblr.com/
Facebook Event

Aufruf zum SlutWalk

* Gleich wer ich bin und was ich trage: No means No.

* Gegen Sexismus, Trans*-, Homo- und Queerphobie, Rassismus und Klassismus!

* Für Selbstbestimmung über Körper, Sexualität & den eigenen Lebensentwurf

Samstag, 13.08.2011, 15 Uhr

„Kaisersack“/ gegenüber Hauptbahnhof

Frankfurt/Main

Nach der Empfehlung eines kanadischen Polizisten an Frauen*, sich nicht „wie Schlampen“ anzuziehen, um nicht Opfer sexualisierter Gewalt zu werden, schlossen sich zuerst in Toronto und später in vielen anderen Städten Menschen zu SlutWalks zusammen. Die Teilnehmenden der Proteste nehmen eine solche Verhöhnung der Betroffenen nicht länger hin. Nichts, auch nicht der Kleidungsstil, ist eine Rechtfertigung für Grenzüberschreitungen, Diskriminierungen, Begrabschen oder Vergewaltigung!

Die Idee der Initiator_innen, den Protest als „SlutWalk“ zu bezeichnen (sinngemäß also „Schlampendemo“), ist als Form der Aneignung des Begriffs „Slut“, zu verstehen. Der negativ konnotierte Begriff der Schlampe wird von uns u.a. durch Kleidung aufgegriffen und in neuem Kontext einer Demo für Selbstbestimmungsrechte anders angewendet. Indem „Slut“ zur positiven Eigenbezeichnung wird, wird der ursprünglichen Intention, nämlich der Beleidigung und Stigmatisierung von Menschen, indem mensch sich ihrer Mittel bedient, ein Schnippchen geschlagen. Die Möglichkeit, sich selbst „Schlampe“ zu nennen, gibt der Einzelnen* die Macht, selbst zu interpretieren, was eine „Schlampe“ ist oder nicht ist. SlutWalk bedeutet, sich die Freiheit nehmen zu können, sich nach Belieben zu kleiden, ohne für herabwertende Sprüche, ungewolltes Angrabschen oder sexuelle Übergriffe verantwortlich gemacht zu werden. Im Kontext der Demo wird die kollektive Aneignung des Schlampenbegriffs zudem genutzt, um gemeinsam die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen Frauen* als Schlampen bezeichnet werden, zu thematisieren und sexualisierte Gewalt als alltägliche Normalität anzugreifen.

Schlampen & ihre sexuelle Verfügbarkeit – Ein Beispiel dafür, dass im Geschlechterverhältnis grundsätzlich was schief läuft

In der vorherrschenden Bedeutung ist eine „Schlampe“ klar „weiblich“ definiert. Nur Frauen* können „Schlampen“ sein, beispielsweise, wenn sie „leicht bekleidet und stark geschminkt“ sind oder häufig wechselnde Geschlechtspartner_innen haben. Männer* werden nahezu nie als Schlampen betitelt, deren viel und offen gelebte Sexualität hingegen positiv konnotiert und mit Ausdrücken wie Weiberheld, Schürzenjäger, Casanova, Verführer, etc. honoriert.

Verhalten, das bei Frauen* unerwünscht und abgewertet wird, ruft bei Männern* oft Anerkennung hervor. Dieser offenbare Widerspruch lebt vor allem von der Zwei-Geschlechtlichkeit in dieser Gesellschaft: In dem was „Geschlecht“ genannt wird, werden „physisches Körpermaterial“, Sexualität und soziale Geschlechterrollen miteinander verknüpft. Dieser Verknüpfungsprozess beruht auf der Konstruktion von zwei vermeintlich klar voneinander abtrennbarer Geschlechter, die als naturgegeben gelten: „Mann“ und „Frau“. In diesen Geschlechter-Paketen wird eine Kausalreihe gezogen, die ausgehend von Körpermerkmalen auf die Zuordnung zu einer der beiden Gruppen schließt – wobei Chromosome, Hormone, Genitalien, Fortpflanzungsfähigkeit etc. in etlichen Fällen, einer klaren Zuordnung zu einem der beiden Gruppen widersprechen. Mit der zugeordneten Gruppe wird des Weiteren ein bestimmtes heteronormatives, sexuelles Begehren (heterosexuelle Paarbeziehungen) verknüpft.

Daran anschließend werden aber auch gewisse männliche* und weibliche* Attribute und Eigenschaften zugeschrieben (aktiv/passiv, stark/schwach und hilfsbedürftig, etc.). Diese Zuschreibungen sind vielfältig, gesellschaftlich tief verankert und haben meistens eine höher bewertete = männliche und eine eher als unterlegen bewertete = weibliche Seite.

Alleine dieser Zwang, sich in einem der beiden Geschlechter einzurichten, bedeutet vielfache Gewaltausübung. Beispiele sind hier Operationen an intersexuell klassifizierten Neugeborenen mit weitreichenden, oft lebenslangen Folgen, Zwangstherapien für trans*Menschen, die mit ihrem anderen Geschlecht rechtlich anerkannt werden wollen oder den vielen anderen Formen alltäglicher Diskriminierung durch Sprache, Sprüche, Blicke und ungleichwertiger Behandlung.

Diese machtungleichen Geschlechterkonstruktionen prägen auch die vorherrschenden Vorstellungen, Erfahrungen und Verhaltensmuster der Sexualität. So wird zum Beispiel die Sexualität von Frauen* innerhalb einer Beziehungen grundsätzlich als „verfügbar“ angesehen und es wird von einer klaren Einteilung von aktiven und passiven Rollen beim Sex ausgegangen. Auch rassistische Zuschreibungen wie die „zu erobernde orientalische Schönheit“, die „zurückhaltende, aber willige Osteuropäerin“ oder dem sexuell aggressiven, „immer potenten schwarzen Mann“ gehen in die Konstruktionsprozesse ein.

Diese Normen und Zuschreibungen kontrollieren Begehren innerhalb dieser Gesellschaft, sie bestimmen was Menschen sollen, dürfen oder müssen, denen ein bestimmtes Geschlecht, Alter, Körper, Religion, „Ethnie“, etc. zugeschrieben wird.

Obwohl sexualisierte Gewalt von uns explizit nicht zum Bereich der Sexualität gezählt wird, sondern eine Form von Gewalt darstellt, prägen die oben dargestellten Vorstellungen von Sexualität, von „männlichen“ und „weiblichen“ Körpern, Vorlieben und Verhaltensmuster auch die gesellschaftlichen Vorstellungen darüber, wie sexualisierte Gewalt aussieht. Die Vorstellung, dass Sex nur „richtiger Sex“ ist, wenn ein Penis eine Vagina penetriert, steht hinter der Idee, dass ein sexueller Übergriff nur als solcher zu benennen ist, wenn körperliche Gewalt in Form von Penetration stattgefunden hat. Sexualisierte Gewalt ist aber sehr viel weiter zu fassen und taucht in vielen verschiedenen Formen auf. Sexualisierte Gewalt verstehen wir als das Überschreiten von körperlichen Grenzen und das als Überschreiten von Grenzen durch Kommunikation oder sonstiges Verhalten, in einer sexuell aufgeladenen Art und Weise.

Mit dieser Definition von sexualisierter Gewalt als Grenzüberschreitung wollen wir den Blick auf die vielfältigen Formen von Gewalt lenken und vereinfachte Täter_in-Opfer-Zuschreibungen hinter uns lassen. Zudem zeigt es auf, dass es keineswegs „Normalität“ ist, dass Grenzen gewahrt bleiben und Übergriffe seltene Ausnahmen sind. Vorherrschende Bilder, Erwartungshaltungen und Verhaltensmuster von Sexualität sind durch Erziehung und unsere gesellschaftlichen Umgebung, Teil von uns geworden. Sexistische Strukturen lauern nicht (nur) da draußen im dunklen Park, sondern sind weitreichend internalisiert. Diese Aussage soll weder Unterschiede klein reden, noch kann sie im entferntesten gewalttätige Grenzüberschreitungen rechtfertigen. Es soll aber aufzeigen, wie stark Sexualität in der Gesellschaft mit gewaltförmigen Geschlechterverhältnissen verbunden ist und, dass es Normalzustand ist, dass die Definition, das Formulieren und Artikulieren der eigenen Grenzen keine Selbstverständlichkeit ist. Es wird viel zu häufig von einer stummen Zustimmung ausgegangen, obwohl die aktive Zustimmung immer die Voraussetzung für alle sexuellen Handlungen sein sollte. Es darf keine Normalität sein, dass Frauen* als sexuell verfügbar gelten, solange sie nicht widersprechen – dass Sex-Partner_innen jeder Sexualpraktik zustimmen, solange sie nicht NEIN sagen. Viel zu häufig aber reicht ein verbales “Nein” nicht aus, da es vom Gegenüber nicht als eindeutiges Signal ernst genommen wird. Körperliche Gegenwehr darf nicht die einzig mögliche, gesellschaftlich verstandene Ausdrucksform zum Signalisieren einer persönlichen Grenzüberschreitung sein. Wir wollen so leben, dass das Definieren und Kommunizieren unserer Wünsche und Grenzen „normal“ geworden ist und jede Handlung die aktive Zustimmung aller Beteiligten hat. Wir wollen, dass das „Ja, ich will“ zur Regel wird – In diesem Sinne: Hate sexism, love sex.

Normalzustand: Sexualisierte Gewalt – Von dunklen Parkanlagen und Home sweet Home

Die derzeitigen Zustände sehen aber noch weit anders aus: Jede 7te Frau* erlebt strafrechtlich relevante, sexuelle Gewalt1.

Der Ort sexualisierter Gewalt ist meist das unmittelbare Umfeld der Betroffenen: In der Hälfte aller genannten Fälle wird der_die (Ex-)Partner_in als Täter_in angegeben. Des Weiteren setzt sich der Täter_innenkreis aus der Familie(10%), der Freund_innen und Nachbar_innen (20%), Bekannten (22%) oder aus dem Umfeld am Arbeitsplatz (12%) zusammen. Lediglich in 15% der Fälle ist der_die Täter_in nicht bekannt. Der Mythos des „Fremden im dunklen Park“ ist also nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme. Damit wollen wir nicht die Problematik von sexualisierter Gewalt im öffentlichen Raum herunter spielen.

Jedoch ist das Bild vom „Fremdem im Park“ nicht nur zahlenmäßig unstimmig, sondern führt auch in der öffentlichen Problembeschreibung zu schwerwiegenden Folgen. Sexualisierte Gewalt wird zu Taten von „fremden“, „kranken“ Einzeltätern, die nicht zu „uns“ gehören und so auch nur schwer zu fassen sind. Familiäre Gewaltstrukturen, sexistische Sexualkultur in Werbung & Medien, aggressives „Flirt“-Verhalten im eigenen Freundeskreis, Wegschauen auf der Straße, Weghören im Mietshaus, etc. werden dabei nicht erwähnt – Sexualisierte Gewalt ist woanders, nicht in meinem Umfeld und geht erst recht nicht von jemandem aus, den ich kenne. Beruhigt kann sich gesagt werden, gegen sexualisierte Gewalt könne man nix tun. Die Hauptorte und die Ursachen werden nicht benannt und eigene Verantwortung weggeschoben.

Die alleinige Verschiebung des Problems auf einen ungreifbaren, öffentlichen Raum füttert zudem öffentliche Sicherheitsdiskurse mit Legitimationsstoff. Das führt wohl kaum zu weniger Übergriffen, wohl aber zu mehr Kontrolle im öffentlichen Raum, was wiederum vor allem kiffende Jugendliche und andere Drogenkonsument_innen trifft, zu mehr – oftmals rein rassistisch motivierten – Personenkontrollen führt und den öffentlichen Raum für all jene, die nicht ins „normale“ Bild passen, noch unfreundlicher gestaltet.

Die ständigen Warnungen vor Übergriffen schürt/produziert bei Mädchen* und Frauen* zusätzlich Ängste, sich alleine zu bewegen. Das führt oftmals zu geschlechtsspezifischen Ausgehregeln für Söhne und Töchter oder befördert, dass sich junge Frauen in ihrem Bewegungsverhalten (Diskobesuch, Fahrten bei Dunkelheit, etc.) abhängig davon machen, ob sie eine (männliche?) Begleitung finden. So führt alleine die diskursive (und leider viel zu oft auch reale) Gefahr sexueller Übergriffe schon im alltäglichen Vorfeld zu einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit.

Eine andere „Verschiebestrategie“ ist das Argument, dass häusliche Gewalt und Überschreitung körperlicher Grenzen als ein Problem thematisiert wird, dass heutzutage „hier bei uns in Europa“ doch hauptsächlich noch bei „Migrant_innen“ und da vor allem bei diesen „rückständigen Muslim_innen“ anzutreffen sei. Folgen einer solchen, von der weißen Mehrheitsgesellschaft konstruierten, in keinster Weise standhaltenden Zuschreibung sind einerseits, dass von vorhandenen sexistischen Grundstrukturen der Gesamtgesellschaft abgesehen wird und das Problem auf eine als „fremd“ konstruierte Gruppe gelenkt wird. Damit werden rassistische Stereotype gestärkt und Legitimationsgrundlagen für rassistische Politiken in der Polizeipraxis oder im Ausländerrecht geschaffen. Ganz so, als ob sexistische Gewaltformen etwas wären, was erst mit Migrat_innen Einzug gehalten hätte. Durch diesen – derzeit vor allem anti-muslimisch geprägten – Rassismus wird zugleich die Gewaltförmigkeit der weißen Mehrheitsgesellschaft verschwiegen und re-tabuisiert.

Tatsache ist: Sexualisierte Gewalt ist überall zu finden – Sie durchzieht die ganze Gesellschaft und ist nicht an einen Ort gebunden. Zuschreibungen, dass häusliche Gewalt mehr bei „Migrat_innen“ vorzufinden ist, ist genau so ein weitverbreiteter Schwachsinn wie das Vorurteil, dass tätliche Übergriffe vornehmlich in einkommensschwachen Schichten anzutreffen seien. Sexualisierte Gewalt kann auch von Frauen* ausgehen; richtet sich nicht nur gegen Frauen*, sondern auch gegen Männer* und Kinder; findet in schwulLesbischen Beziehungen statt und ist nicht zwangsläufig im Arbeitsalltag von Sexarbeiter_innen beheimatet. Verallgemeinerungen lassen sich nicht treffen. Sehr wohl sind jedoch aufgrund der Geschlechterhierarchien und anderer Machtungleichheiten gewisse Personengruppen mehr von sexualisierter und häuslicher Gewalt betroffen. Bei allen Unterschieden wäre es verfehlt, nicht anzusprechen, dass in den allermeisten Fällen Gewalt von Männern* ausgeht und Frauen* betrifft. Auch in öffentlichen Räumen werden gewisse Personen eher belästigt als andere, weil ihnen gegenüber Grenzüberschreitungen als weniger verwerflich oder aufgrund ihrer Person gar als gerechtfertigt angesehen werden. So werden beispielsweise Frauen* eher angemacht, die sich auf bestimmte Weise kleiden oder aufgrund rassistischer Zuschreibungen als sexuell „aufreizend“ gelten. Aber auch Menschen, die der herrschenden Geschlechterordnung widersprechen (oder für solche gehalten werden) wie androgyne Frauen, Lesben, Schwule oder Trans*Personen werden verstärkt als verletzungsoffen behandelt.

Zusammengefasst ist die Debattenkultur geprägt von Mythen und Verharmlosungen, Verhöhnung der Betroffenen als (Mit-)Schuldige und Verantwortungsverschiebungen auf imaginierte „Andere“. Diese öffentlichen Diskurse über sexualisierte Gewalt tolerieren durch solch naives bis vorsätzliches (Nicht-)Einschreiten, die zugrundeliegenden Strukturen und können selbst als argumentatives Rückrat sexistischer Struktur begriffen werden.

Dagegen ist auch von staatlicher Seite nach wie vor (zu) wenig zu erwarten. Insbesondere gegen die seit Jahrzehnten kritisierten Mängel bei Anzeigenerstattungen, Vernehmungen in Gerichtsverfahren und viel zu geringen Verfahrensrechte in Fällen sexueller Übergriffe wird nach wie vor nicht vorgegangen. Hinzu kommen Umsetzungsmängel beim endlich geschaffenen Wegweisungsrecht des Prügelnden aus der gemeinsamen Wohnung und im Polizeirecht. Forderungen wie ein Aufenthaltsrecht für Betroffene von Menschenhandel sind ebenfalls weiterhin offen, während in der Verwaltungspraxis sexistische Diskriminierungen von Sexarbeiter_innen fortbestehen, obwohl sie seit knapp 10 Jahren entkriminalisiert sind und laut Gesetzeslage einer regulären Berufstätigkeit nachgehen. Die jahrhundertelang gepflegte Toleranz gegenüber sexualisierter Gewalt hat sich hartnäckig in den Staat eingeschrieben und braucht wohl noch länger, als die bisherigen 100 Jahre Frauen*bewegung, um neu beschrieben zu werden, damit das selbst postulierte Gewaltmonopol, Gewalt auch tatsächlich flächendeckend angeht und nicht noch selbst eins oben drauf setzt.

SlutWalk: Wir haben es satt in einem System zu leben, das sexualisierte Übergriffe, Gewalt und Belästigungen verharmlost, legitimiert und den Opfern die Schuld gibt!

Der SlutWalk stellt für uns den Versuch dar, der bisherigen Debattenkultur etwas entgegenzusetzen. Wir haben es satt, dass es fast schon selbstverständlich scheint, die Betroffenen von Vergewaltigung und sexualisierten Übergriffen zu hinterfragen oder gar als Schuldige (wie z.B. beim Fall Assange) oder als nicht glaubwürdig hinzustellen (sog. „victim blaming“) – wie aktuell die Fälle Strauss-Kahn oder Kachelmann zeigen -, statt sie zu unterstützen. Der Individualisierung des “victim blaming” und der Reproduktion des Bildes, dass gewisse Menschen als „leichte Mädchen“, als sexuell verfügbar gelten und sich dann auch nicht zu beschweren haben, setzen wir Solidarität und gemeinsames Handeln entgegen.

Dies bedeutet für uns auch, den Fokus der Thematisierung zu erweitern. Über sexualisierte Gewalt muss jenseits von Mythenbildung aufgeklärt werden – gegen sexistische Gewalt vorgehen, heißt auch die gesellschaftlichen Strukturen hinter der Gewalt in den Blick zu nehmen und politisch zu behandeln. Sensibilisierung auf sexualisierte Gewalt bleibt oft dabei stehen, potentielle Betroffene vor Gefahren zu warnen oder Schutzbedürfnisse nach Sicherheitskräften zu fördern. Im Zweifel gut gemeint, wird sich damit mehr oder minder mit einem sexistischen Normalzustand arrangiert. Alltägliche Übergriffe, die sich in sexistischer und sexualisierter Gewalt ausdrücken, sind für uns eine Unerträglichkeit, der wir entschlossen entgegentreten und ganz sicher nicht mit angstvoller Anpassung begegnen.

Uns gehört die ganze Hoheit über uns und unser Leben, die ganze Selbstbestimmung über unseren Körper, unsere Sexualität und unseren eigenen Lebensentwurf. Wie ich mich kleide, wie ich mich gebe, mit wem ich wie schlafe, lebe und liebe, will ich selbst bestimmen können.

Mit dem SlutWalk haben wir eine Form der Gegenwehr gewählt, die sicherlich nicht DIE politische Lösung bereit hält, die aber unsere Empörung und Entschlossenheit zum Ausdruck bringt. Mit dieser rotzig-frechen Protestform bringen wir Kritik an sexistischen und heteronormativen Verhältnissen auf die Straße und schaffen einen Verknüpfungspunkt für all jene, die sich gegen gewalttätige Normalzustände solidarisieren.

Nein heißt nein.

Gegen Sexismus, Trans*-, Homo- und Queerphobie, Rassismus und Klassismus!

Für Selbstbestimmung über Körper, Sexualität & den eigenen Lebensentwurf

Mit Mann* und Frau* benutzen wir die von der Gesellschaft konstruierten Geschlechterkategorien. Das Sternchen steht für die Diversität, die innerhalb, zwischen und über diese zwei starren Gruppen hinaus zu finden ist. Frau ist nicht gleich Frau, nicht jeder Mensch mit Gebärfähigkeit empfindet sich als Frau, nicht jeder Mensch mag eines von beidem sein.

1 Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2004.

Comments are closed.