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Frankfurt steht leer
Fotografische Ausstellung und Debatte

Der immense Leerstand in der Stadt Frankfurt ist Gegenstand dieser fotografischen Ausstellung. Zugleich ist er ein Anlass, um Strukturen zu hinterfragen, die verhindern, dass leer stehende Gebäude und Räume auf andere Weise genutzt und wieder zugänglich gemacht werden.

plakatDie kulturelle Nutzung und Umwandlung von bestehenden Gebäuden in alternative Lebens – und Kulturräume birgt in Frankfurt ein erhebliches Potenzial an Lebendigkeit, die sich weder am Reißbrett der Projektentwickler planen lässt, sondern Ausdruck emanzipatorischer Stadtpolitik ist.
Die derzeitig vorherrschende oktroyierte Planung verursacht eine Masse an Raum, der in seinen Wirkungen und seiner Nutzbarkeit in grotesker Weise an den Erfordernissen einer lebendigen Stadt vorbei läuft.

Das zeigt sich nicht nur an der prekären Situation von Kulturschaffenden, die bei ihrer verzweifelten Suche nach
geeigneten Räumen allein gelassen werden, sondern überdeutlich auch an der Lage auf dem Wohnungsmarkt, der Wohnen nur noch für Privilegierte zulässt. Dadurch wird das Verhältnis zwischen der faktischen Nutzung des Raums auf der einen, und dem wirklichen Bedarf und dem Wert der Teilhabe aller am Raum auf der anderen Seite in eine untragbare Schieflage gebracht.

Diese Ausstellung will mit Bildern von ausgewähltem Leerstand diese Situation dokumentieren und zum Nachdenken anregen: das heißt, zu einer Debatte beitragen, in der über Möglichkeiten der Umnutzung von leer stehenden Gebäuden nachgedacht wird und deren ungenutztes Potenzial offenbar wird.

Leerstand in Frankfurt

Einführungsveranstaltung
Mittwoch 10.10.2012 19:00 Uhr

“Hintergründe und Chancen des chronischen Leerstandes in Frankfurt”

“Gemeinschaftliche Wohnprojekte – wo gibt es in Frankfurt Perspektiven für neue Wohnkultur”

“Wohnungsnot und Gentrifizierung in Frankfurt – Beiträge der Humangeographie für aktuelle Stadtpolitik”

Diskussion & Austausch
Umtrunk & Schnittchen
Besichtigungsmöglichkeit des Instituts für vergleichende Irrelevanz
(18h und 21h)

Ausstellung
10. – 13. Okt. 2012
täglich von 17 – 20h

Finissage und Film
13.10.2012 um 19:00

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Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI)

2003 wurde im Rahmen der Studierendenproteste ein leerstehendes Unigebäude im Kettenhofweg 130 besetzt und darin das Institut für vergleichende Irrelevanz gegründet (IvI).

Das IvI versteht sich als als selbstorganisierter Raum, welcher Menschen unabhängig ihres Geschlechts,ihrer Herkunft,ihres Alters oder Sexualität die Möglichkeit gibt, sich so frei wie möglich von gesellschaftlichen Zwängen selbstbestimmt zu bewegen.

Das IvI zu einem Ort entwickelt, in welchem Wissenschaftler_innen, Bands, Künstler_innen und anderen Engagierten Theorie, Praxis und Party leben und ihren alternativen Gesellschaftsentwurf verwirklichen können. Im Rahmen der aktuellen universitären wie gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen erscheint es notwendiger denn je, dass Räume und Projekte wie das IvI die Möglichkeiten offen halten, sich in kritischer Auseinandersetzung und Reflexion zu und trotz diesen Verhältnissen entwickeln zu können.

Die immer stärker zunehmenden sozialen Ausgrenzung, Umstrukturierung ganzer Stadtteile sowie des universitären Betriebes machen es unumgänglich, dass kritisches Denken Zeit und Raum braucht und sich nimmt, um diesen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten.

Globale Immobilienmärkte und Unternehmerische Stadt: Vom Umgang mit der gebauten Umwelt

Achtung Raumänderung:  Die Veranstaltung findet im Insitut für Humangeographie, Rober-Mayer_straße 6-8  statt. Der genaue Raum wird noch bekantgegeben.

Vortrag und Diskussion mit Susanne Heeg

Der Handel mit Immobilien spielte schon bei der Sanierung des Westends ab den 1960er Jahren eine entscheidende Rolle: Wohnhäuser wurden von privaten Investorinnen gekauft, die Mieter_innen vertrieben, und die Grundstücke unbebaut oder bebaut an Dienstleistungsunter-nehmen verkauft. Möglich war dies, weil es einerseits einen großen Bedarf an Büro- und Gewerberäumen in Innenstadtlagen gab, andererseits der Magistrat die Erweiterung der City ins Westend beschlossen hatte und entsprechend großzügige Bau-genehmigungen erteilte. Vor diesem Hintergrund waren die Bodenpreise von 386,- DM (1962) auf 1713,- DM (1973) gestiegen.

Auch gegenwärtig dominiert noch der tauschwertorientierte Umgang mit der gebauten Umwelt. Die Konflikt-situation rund um das ivi ist ein gutes Beispiel dafür, welche Konflikte sich beim Aufeinandertreffen von gebrauchs- und tauschwert-orientierten Orientierungen ergeben: die Forderung nach Räumen für alternative, nicht-kommerzielle Nutzungen treffen auf maximale ökonomische Verwertungsinteressen.

Auch wenn dies den Eindruck macht, dass sich seit dem Westend-Konflikt keine Veränderungen ergeben haben, so haben sich die Bedingungen auf den Immobilienmärkten grundlegend gewandelt. Durch die zunehmende Verflechtung mit dem Finanzsektor haben nicht nur neue Akteure die Bühne betreten, sondern auch in den Finanzierungsformen und der Verteilung des Risikos ist es zu einschneidenden Veränderungen gekommen. Dies trifft auf eine Stadtpolitik, in der der Inwertsetzung des öffentlichen Raums hohes Gewicht zukommt. In ihrem Vortrag wird Susanne Heeg zentrale Akteure und Instrumente dieser Entwicklung vorstellen.

Flyer (*.pdf)

Wem geört die Stadt
AK Kritische Geographie Frankfurt

Solidaritätserklärung zur Erhaltung des IvI

Hallo,

wie euch vielleicht bereits zu Ohren kam, ist das selbstverwaltete Projekt IvI (Institut für vergleichende Irrelevanz) in Frankfurt am Main Anfang diesen Jahres Frankonofurt verkauft worden. Das Gebäude befand sich vorher im Besitz der Goethe-Uni Frankfurt. Innerhalb der letzten Wochen spitzte sich die Bedrohung zu und gipfelte in einem Übergriff auf das Haus am Morgen des 22.05.2012. Gegen 9.3o hatte ein beeindruckender Schlägertrupp (10 – 12 Mitarbeiter) der Franconofurt AG die Eingangstür zum IvI aufgebrochen. Dies hatte keinerlei juristische Rechtfertigung. Sie stellten Strom und Wasser ab und begannen im Haus befindliche Personen abzufilmen. Eine Sitzblockade konnte ein weiteres Vordringen allerdings stoppen. Franconofurt drohte daraufhin damit, die Polizei hinzuzuziehen. Nach ca. 45 Minuten zogen die Franconofurt Leute ab und nahmen die Eingangstür ebenfalls mit.

“Franconofurt” drohte, das Gebäude in zwei Wochen “selbst” zu räumen – was der Ankündigung einer Straftat gleich kommt. Darüber hinaus wird so ein einmaliger Knotenpunkt von linker Politik, alternativer Kunst und Kultur und kritischer Wissenschaft in der Region zerstört.

In Frankfurt a.M. und Umgebung lebende oder arbeitende Wissenschaftler_innen und Künstler_innen sind daher aufgerufen, die anhängende Petition zu unterstützen, die die aktuelle Situation mit klaren Worten benennet und anklagt und ein schnelles Eingreifen der Stadtregierung fordert.

Wenn ihr unterzeichnen wollt, reicht eine kurze Mail mit Name, Ort und ggf. Tätigkeits-/Berufsbezeichnung an:

ivipetition@okay.ms

Hier die Erklärung:
http://ivi.copyriot.com/wp-content/uploads/2012/06/solidaritatserklarung-ivi.pdf

Freiheit statt Frontex

Freitag | 4.11.2011 | 19.15 Uhr | ivi | Kettenhofweg 130


poster_kritnetffm2Freiheit statt Frontex
Das europäische Grenzregime zwischen arabischem Frühling und Krise

Offene Diskussion u.a. mit
Helmut Dietrich | Forschungsgesellschaft Flucht und Migration; Berlin
Marion Bayer | welcome to europe; Hanau
N.N. | Collettivo Prezzemolo; Florenz
Bernd Kasparek | Netzwerk kritische Migrations- und Grenzregimeforschung; Athen

Am 17. Dezember 2010 verbrannte sich Mohamed Bouazizi im tunesischen Sidi Bouzid. Mit seiner Tat löste er eine Welle von Aufständen, Revolutionen und Umstürzen aus, die nicht nur die arabische Welt verändert haben. Der Kampf um soziale wie auch politische Rechte in der arabischen Welt beinhaltete auch eine Infragestellung der Grenzen Europas und geht einher mit einer anhaltenden Krise des Schengener Grenzregimes, der Krise der europäischen Staatsfinanzen und einer Lähmung des europäischen Projekts. Die Migration nach Europa hält weiter an, auch getrieben von Wünschen nach einem besseren Leben. Gleichzeitig hat sich auch in Europa eine Bewegung der echten Demokratie etabliert, die nicht nur in den südlichen EU-Staaten gegen den sozialen Kahlschlag und die herrschende Politik der proklamierten Alternativlosigkeit wendet.

Das Netzwerk kritische Migrations- und Grenzregimeforschung hat am 8. März 2011 gemeinsam mit weiteren migrationspolitischen Netzwerken den Aufruf Freiheit statt Frontex veröffentlicht. Darin heißt es: „Der Aufbruch in Nordafrika zeigt, was alles möglich ist. Es geht um nicht weniger als um ein neues Europa, ein neues Afrika, eine neue arabische Welt. Es geht um neue Räume der Freiheit und Gleichheit, die es in transnationalen Kämpfen zu entwickeln gilt: in Tunis, Kairo oder Bengazi genauso wie in Europa und den Bewegungen der Migration, die die beiden Kontinente durchziehen.“ Die Abendveranstaltung der 6. Arbeitstagung des Netzwerks Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung wird sich rund ein Jahr nach Beginn des arabischen Frühlings dem Zusammenhang zwischen arabischen Revolutionen, Schengenkrise und Eurokrise widmen und die Perspektiven einer Politik am Schnittpunkt von Akademie und Aktivismus ausloten.

Eine Veranstaltung im Rahmen der 6. Arbeitstagung des Netzwerks kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet) in Kooperation mit dem AK Kritische Geographie am Institut für Humangeographie der Goethe Universität

Stadtrundgang: „Die Studierendenbewegung und die Kritische Theorie 1968 in Frankfurt“

Stadtrundgang: „Die Studierendenbewegung und die Kritische Theorie 1968 in Frankfurt“

1968 war Frankfurt eines der Zentren der Revolte und deren intellektueller Mittelpunkt. Vieles verdichtete sich in Bockenheim und im Westend. Anhand zentraler Orte soll mit dem Stadtrundgang ein Eindruck über die Atmosphäre und den Verlauf der über die Universität hinausgehenden Proteste vermittelt werden. Von der Rückkehr des Instituts für Sozialforschung, der Auseinandersetzung mit Vietnam und dem Nationalsozialismus bis hin zur Zersplitterung in K-Gruppen und Spontis, Betriebs- und Häuserkampf sowie der internationalen Vernetzung wird versucht, die Geschichte der „68er“ spazierend zu erkunden.

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// Ivi Sommerprogramm 2011

Vortrag: Diskursive Konstruktion von Innenstadtraum und Adressaten der Planung. Das Beispiel der Innenstadtsanierung Rüsselsheim.

Vortrag: Diskursive Konstruktion von Innenstadtraum und Adressaten der Planung. Das Beispiel der
Innenstadtsanierung Rüsselsheim.

Im Hinblick des Wandels von der fordistischen Musterstadt zur „loser city“ des Postfordismus ist Rüsselsheim ein bemerkenswertes Beispiel, um Problematiken der zunehmenden Neoliberalisierung städtischer Politiken nachzuvollziehen. In diesem Sinne nimmt die Arbeit den Planungsdiskurs um die Innenstadtsanierung Rüsselsheim in den Blick und untersucht die den Planungen zugrundeliegenden Raum- und Subjektkonstruktionen.

// Ivi Sommerprogramm 2011

Vortrag: „Die Deindustrialisierung Ostdeutschlands im Zuge der ‚Wiedervereinigung’“.

Vortrag: „Die Deindustrialisierung Ostdeutschlands im Zuge der ‚Wiedervereinigung’“.

Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Ostdeutschland zwar immer noch mediales Thema, woher diese stammen ist jedoch in Vergessenheit geraten oder wird ohne weiteren Erklärungsbedarf auf Honeckers langen Schatten zurückgeführt. Dies greift zu kurz. Die vorzustellende Arbeit zeigt klare Parallelen zwischen den Tendenzen der Wirtschaftspolitik unter Kohl und der wirtschaftlichen Entwicklung Ostdeutschlands in den letzten 20 Jahren auf. Die Deindustrialisierungspolitik der 90er Jahre hat tiefe Einschnitte in die wirtschaftliche Struktur der neuen Bundesländer mit sich gebracht von denen sie sich nur sehr langsam und mit sehr unterschiedlichem Erfolg erholen. Die vorzustellende Arbeit ist der Versuch einer kritischen Analyse dieser wirtschaftlichen Entwicklung; ohne Stasi-Apologetik und Ostalgie, aber eben auch ohne in die allgemeinen Begeisterungsstürme für Kohls Lebenswerk einzufallen.

Ivi Sommerprogramm 2011