schupplade

Pressemitteilung der Gruppe Recess vom 23.02.2013

Zur freundlichen Beachtung:

Pressemitteilung der Gruppe Recess vom 23.02.2013 zur Räumung des Großen Hirschgraben 17-19

Nach etwas mehr als 24 Stunden wurde heute die Besetzung der Gruppe Recess im Großen Hirschgraben 17- 19 polizeilich geräumt. Zum Zeitpunkt der Räumung fand im Freitagnachmittag von Schüler_innen besetzten, ehemaligen Gebäude des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ein Lesekreis zum Verhältnis von Kunst und Utopie bei Theodor W. Adorno statt. Die Besetzer_innen verließen missmutig nach der ersten polizeilichen Aufforderung das Gebäude, da im Angesicht hunderter BFE-Beamter Widerstand zwecklos schien.

Gestern noch hatten die Besetzer_Innen mit einem offenen Brief auf das Gesprächsangebot des Vorsitzenden der ABG-Holding Junker reagiert. Dieser erklärte sich nur unter der Voraussetzung der Nennung einer haftbaren Rechtsperson zu Gesprächen bereit. Darauf wollten die zum Teil noch minderjährigen Besetzer_Innen nicht eingehen. In dem offenen Brief forderten sie allerdings „die Gesamtheit der politischen Akteure in Frankfurt auf, Leerstände aktiv nutzbar zu machen.“

Die ABG Holding ist gemeinsam mit der Stadt Frankfurt Eigentümerin des Gebäudes im Großen Hirschgraben.

Am 19. Februar lies Alfred Gangel in der Frankfurter Rundschau verlautbaren, dass er sich auf die Suche nach einem Ersatzobjekt für das IVI begeben würde, wenn er den politischen Auftrag dafür bekäme. Heute fuhr er mit Hundertschaften vor dem besetzten Haus im Grossen Hirschgraben vor. Er verweigerte sich einem Gespräch mit den Besetzer_Innen und koordinierte statt dessen mit den Polizeikräften die Räumungsaktion. Zu einem Gespräch ist er erst am Montag bereit. Das nun gesprengte Plenum berät sich über das weitere Vorgehen.

„Ich bin wütend darüber, dass dieses leerstehende Gebäude nicht genutzt werden darf und verstehe die dahinter stehende Politik des künstlich erzeugten Mangels nicht,“ ärgert sich Shoshanna C.

Jenseits der bürgerlichen Monokultur, mit ihren normierten Reservaten fürs Wohnen, Feiern, Lernen und Arbeiten, scheint in der aufgewerteten Frankfurter Innenstadt keine Form selbstbestimmter Lebensäußerung vorgesehen zu sein. „Dass die Stadt weiterhin Gelder im sozialen Sektor kürzt und die Mietpreise weiter steigen, macht es notwendig, Projekte wie dieses eigenständig zu organisieren und zu bespielen.“ sagt Karsten Pier. „Das fingierte Verständnis für das Anliegen, leerstehende Räume vielfältig und selbstbestimmt zu nutzen, verpufft in dem Moment, in dem auf dem restriktiven rechtlichen Rahmen, der eine Verbindung von Wohnraum, Arbeits- und Veranstaltungsräumen nicht vorsieht, beharrt wird. Wo der politische Wille fehlt, müssen wir die sozialen Notwendigkeiten sichtbar machen!“

Durch die Besetzung wurde erneut auf den immensen Leerstand in Frankfurt, und auf das Bestreben diesen zu nutzen, hingewiesen. Die Besetzer_Innen solidarisierten sich mit dem Institut für vergleichende Irrelevanz und der Aktivist_Innen der drei Besetzungen des letzten Wochenendes. Den verantwortlichen der Stadt Frankfurt entgegnet Shoshanna C.: „Ihr könnt weiterhin euer sauberes Frankfurt planen, doch dabei müsst ihr mit denen rechnen, die ihr nicht einkalkuliert!“ Noch für heute Abend wurden von Sich-Solidarisierenden Aktionen angekündigt. Für Donnerstag Abend ist unter dem Motto „Verdrängung erkennen – Leerstand nutzen“ eine Demonstration um 18Uhr am Uhrtürmchen in Bornheim angekündigt. Ein Aktivist vor dem geräumten Gebäude spricht aus, was viele denken: „Wenn sie es darauf anliegen, können sich Frankfurt und Franconofurt auf eine anstrengende IVI-Räumung gefasst machen.“

Myliusstraße 20, Sigmund-Freud-institut, in Ffm besetzt

Am Samstag den 16. Februar 2013 wurde im Frankfurt am Main das Sigmund-Freud_institut (SFI) in der Myliusstraße 20 im Westend besetzt.

Vorweg eine Info der Besetzer_innen von deren Homepage:
“Solidarität mit SFI und Jüdischen Psychotherapeutischen Beratungszentrum FFM.
Wir streben eine Zwischennutzung an und sehen das Sigmund Freud Institut und Jüdische Psychotherapeutische Beratungsstelle als unsere Freunde.
Bitte geht mit Räumlichkeiten sorgsam um und macht nichts im Haus kaputt!”

Anbei die PM zur Besetzung:

Eine Reminiszenz an Mitscherlichs „Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden“

Am 16.02.2013 haben Aktivist_innen ein leerstehendes Gebaude in der Myliusstraße besetzt.
In dem Haus befand sich bis 2010 das Sigmund-Freud-Institut, das auf Grunde einer Renovierung umziehen musste. Das Institut wurde 1960 maßgeblich von Alexander Mitscherlich gegründet, 1964 eröffnete es in der Myliusstrasse 20. Wie der Frankfurter Rundschau vom 15. Februar 2013 zu entnehmen war, soll im Juni endlich mit dem Umbau des Gebäudes begonnen werden. Ein prächtiger Glasbau wird neben dem seit 2012 denkmalgeschützten Gebäude errichtet werden.
„Die Freudsche Psychoanalyse ist, genauso wie die Kritische Theorie, in der gesellschaftlichen Irrelevanz verschwunden und dient der Universität Frankfurt lediglich als schickes Aushängeschild“, erläutert Aktivistin Margarete Rothschild. „An diese Tradition anknüpfend soll das Institut zwischengenutzt werden.“ In den nächsten Tagen werden hierzu mehre Veranstaltungen stattfinden. Fokus wird auf die Psychoanalyse und ihre gesellschaftskritische Relevanz gelegt werden. Ergänzend ist eine Kritik der psychiatrischen Praxis zu leisten.
„Es scheint normal zu sein sich gegen nichts zu wehren, selbst wenn es die eigenen Umstände betrifft. Höchstens kommt es zu einer kurzen Empörung“, merkt Aktivist Moshe Anhan an und erklart weiter: „Nach dem gestern das Ende des IVI ein Schritt näher gerückt ist, haben wir beschlossen nicht noch weiter untätig in unseren Wohnungen zu sitzen.“
Gestern erwirkte die Frankonofurt AG beim Landgericht den Räumungstitel gegen das IVI. Abends kam es bereits zu zwei Besetzungen, die aber innerhalb kürzester Zeit wieder geräumt wurden. Zeitgleich wurde mit einem großen Rave der Umzug des Bockenheimer Campus und die Bedrohung des IVI thematisiert. Gut 400 Menschen zogen bei lauter Musik durch die Frankfurter Innenstadt und wiesen auf ihre Anliegen hin.
„In den letzten zwei Jahren gab es in Frankfurt viele Versuche Häuser zu besetzten und sich urbanen Raum anzueignen. Wir sind diesem Beispiel gefolgt, “ schließt Moshe Anhan. „Wir rufen dazu auf dies auch zu tun! Denn all diese Bemühungen müssen zum Erfolg führen. Auch vermeintliche Misserfolge der Vergangenheit sind Mosaiksteine hin zu einem anderen, selbstbestimmten Stadtbild.“

Aktion 15.02.

Aktuelle Informationen bekommt ihr über unsern Twitter Account:
https://twitter.com/aktion152

RAVEN GEGEN UMZUG – Solidarität mit dem IVI – JETZT

Zur freundlichen Beachtung: ein Hinweis des Protestplenums

Treffpunkt Neue Mensa, Campus Bockenheim

FlyerVorneFinal

Auf Grund des heutigen Gerichtsurteils gegen das IVI, dass die sofortige Räumung des selbstverwalteten Zentrums ermöglicht, wird der heutige Rave zur Solidarität mit dem IVI veranstaltet!

Feiräume verteidigen! Für ein, zwei, viele autonome Räume!

Der Turm fällt – IG-Farben Campus kommt!

Im Rahmen des Umzugs wurde schon so manches unternommen, nur nicht dagegen getanzt. Hierfür bieten wir eine entspannte Lösung in Form eines äußerst bemerkenswert exorbitant spektakulären Raves durchs nächtliche Frankfurt. Alle Umzügler*innen, Abdancer*innen, Nachtaktiven und Raver*innen der Stadt, des Planeten und des restlichen Universums sind schmerz-und herzlich dazu eingeladen.

MIT PAUKEN UND TROMPETENSCHLAG VERABSCHIEDEN WIR UNS VOM TURM!

Am 15.02.

um 21 Uhr

Treffpunkt Neue Mensa, Campus Bockenheim

*Denkt an einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und anderen Substanzen*

Besichtigungstermin – wir schauen schon mal vorbei!

Zur freundlichen Beachtung:

EA-Nummer: 069 79828095

Der Umzug naht!
Aufgrund drängender Probleme (Raumnot, Wegfallen von selbstverwalteten Räumen, …)
wollen wir auf die Lage aufmerksam machen und euch zu einem Spaziergang über den  IG- Farbencampus mit anschließendem geselligen Glühweinschlürfen einladen.
Eisige Temperaturen zwingen uns dazu, uns anschließend den nötigen Raum zu nehmen!
In diesem werden wir uns austauschen, informieren und uns kritisch mit der für uns alle eurer Situation auseinandersetzen.

Treffpunkt:
am Mittwoch, den 19.12.2012
um 16 Uhr
Trinkhalle am IG-Farben Campus

Seid um 16:00 Uhr an der Trinkhalle! (Bus 75 Haltestelle “Bremer Straße”). Alle weiteren Informationen gibt es dort.

http://ffmdieunibrennt.wordpress.com/

Wir nehmen uns was wir brauchen – Frankfurt/Main action day

Wir nehmen uns was wir brauchen – Frankfurt/Main action day

EA-Nummer: 069 79828095

aktionstage_plakata2Aufgrund der akuten aber auch latenten (Räumungs-)Bedrohung selbstverwalteter Zentren hat sich das „Wir nehmen uns was wir brauchen“ Bündnis gegründet. Ziel des Bündnisses ist die Vernetzung von verschiedenen Räumen und Initiativen voranzutreiben, um entschieden den momentanen Entwicklungen entgegen zu treten. Bereits seit einigen Monaten haben wir, Aktivist_innen aus autonomen Zentren, Wagenplätzen, linken Kollektiven und besetzten Häusern im Rhein Main-Gebiet und Baden-Württemberg, uns dafür eingesetzt eine Öffentlichkeit gegen die diversen Bedrohungen zu schaffen. Angesichts der unerträglichen gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse geht es uns einmal mehr darum, Gegenentwürfe zu diesen zu schaffen und zu erhalten. Als Bündnis wollen wir die Notwendigkeit unserer Projekte vermitteln. Mit dem Ziel, unsere Räume zu verteidigen und auszubauen, sind wir mit Infoveranstaltungen, Kunstaktionen und Demonstrationen in verschiedenen Städten und Dörfern aktiv.

Die jüngste Vergangenheit hat gerade auch hier im Rhein-Main Gebiet gezeigt, dass es um selbstorganisierte Räume schlecht bestellt ist. Das selbstverwaltete Kommunikationszentrum Haus Mainusch in Mainz hat zum 9. Dezember die Kündigung des Mietvertrages ausgesprochen bekommen. Das besetzte Institut für vergleichende Irrelevanz in Frankfurt/Main ist akut von Räumung bedroht und läuft Gefahr, ersatzlos dem Erdboden gleich gemacht zu werden – wie die Obere Austraße 7 in Mainz, die im Sommer geräumt wurde. Die „Wir nehmen uns was wir brauchen“-Demonstration vom 13. Oktober in Frankfurt war erst der Startschuss. Wir rufen zu einem stadtweiten Action Day auf, um sich den aktuellen Entwicklungen im städtischen Raum entgegenzustellen und für die Schaffung und Erhaltung selbstorganisierter Räume zu kämpfen.

Deshalb werden wir uns am 8. Dezember die Frankfurter und am 15. Dezember die Freiburger City aneignen. Mit verschiedenen Aktionen werden wir im öffentlichen Raum ein deutlich sichtbares Zeichen für unsere Projekte und Vorstellungen setzen. Wir werden unseren Widerstand gegen die mutwillige Zerstörung unserer Räume ins Herz der Stadt tragen. Kommt alle am 8. Dezember nach Frankfurt! Wir freuen uns über jegliche solidarische Aktionen, die ihr so vielfältig gestalten könnt wie ihr es für sinnvoll erachtet!

Programm

1) 12:00 Stadtspaziergang “Wir schaffen 1,2, 100 autonome Zentren”
Klapperfeld (Klapperfeldstr.5)

2) 12:00-16:00 Infostand
Hauptwache/Roßmarkt

3) 13:30 “Küche für alle” am Infostand
Hauptwache/Roßmarkt

4) 14:00 Vortrag “Einführung in die Kapitalismuskritik”
Ort wird am Infostand bekannt gegeben

5) 15:00 Jonglage und Artistik am Infostand
Hauptwache/Roßmarkt

6) 15:30 Politisches Puppentheater am Infostand, dazu heißer Kaffee und Tee von der TuCa-Crew
Hauptwache/Roßmarkt

7) 16:05 Special surprise
“Das IVI geht – der Schwarze Block kommt!”
Ort wird am Infostand bekannt gegeben

8) 16:30 Reclaim Public Space
“Umsonst und Draußen”-Punkrockshow und Küche für Alle
Ort wird am Infostand bekannt gegeben

9) im Anschluss:
U-Bahn Keyosk: Umtrunk und feiern auf Rädern -featured by the VGF

http://waswirbrauchen.blogsport.de/

Pressespiegel von Waste’nd/Besetzung Schumannstr. 2 am 30.11.2012

Zur freundlichen Beachtung:

Ein vorläufiger Pressespiegel

Vorab: Zusammenfassung der Spontandemo von Waste’nd

Pressemitteilungen von Waste’nd:
Pressemitteilung der Gruppe Waste’nd 30.11.2012
Pressemitteilung zur Räumung
Bilder vom Haus
PM: Besetzung der Schumannstraße Nr. 2 wird aufgelöst. Polizeigewalt eskaliert in der B-Ebene der Hauptwache

Pressemitteilung des Ivi:
Soldarität mit den Besetzer_innen der Schumannstrasse. IvI verurteilt Polizeigewalt bei der Räumung

Pressemitteilung des AK Recht:
PM: Mehrere Verletzte durch gewaltsamen Polizeieinsatz bei Hausräumung und Spontandemonstration

Welt:
Linker Protest damals und heute

Frankfurter Allgemeine Zeitung:
Nach Hausbesetzung Kritik an Polizei
Protest nach Hausbesetzung. Aktion gegen “Gentrifizierung”

Frankfurter Rundschau:
Hausbesetzer gehen freiwillig
Fotostrecke: Hausbesetzung in der Schumannstraße 2
Nach missglückter Hausbesetzung zieht Demo durch Frankfurt

Frankfurter Neue Presse:
Besetztes Haus freiwillig geräumt

hr-online:
Hausbesetzung aufgelöst

Indymedia:
.de: [FFM] Hausbesetzung in der Schumannstraße 2
.linksunten: Schumannstr 2 in FFM besetzt!

youtube:

Wastend – Prügelei an der Hauptwache nach Auflösung der Spontandemo

Westend, du Standort – gib’ Villa!

Zur freundlichen Beachtung:

Soeben wurde die Schumannstraße 2 im Frankfurter Westend besetzt :) Alle infos:  http://wastend.wordpress.com/

EA-Nummer: 0152 – 143 660 85

http://akrechtunifrankfurt.wordpress.com/

Pressekontakt: 0152-160 754 22

Selbstverwaltete Räume, die auf nicht kommerzieller Basis für politische Arbeit, Veranstaltungen und Partys genutzt werden können, gibt es viel zu wenige. Früher oder später, wenn der Städtebau einmal mehr veranschaulicht, dass der “Standort” weit über den Bedürfnissen der dort lebenden Menschen steht, werden sie von Verdrängungsprozessen eingeholt. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben kostet nicht nur immer mehr Geld, sondern auch die Bereitschaft, die in der Mehrheitsgesellschaft üblichen sexistischen, rassistischen und homophoben Spielregeln zu befolgen. Wer feiern will, ohne Formen von Diskriminierung zu erfahren und die kritische Auseinandersetzung damit sucht, kann eigentlich gleich zu Hause bleiben. Auch wer nicht versteht, warum Essen, Leben, Feiern, Wohnen usw. in einer Welt, deren technische Möglichkeiten längst zur selbstverständlichen Befriedigung dieser Bedürfnisse für alle Menschen auf diesem Planeten genügen würden, stets an einen Tauschakt gebunden ist, stößt auf Unverständnis.

Ohne ein Bewusstsein dafür zu haben, weiß spätestens nach dem Pisa-Leistungsterror und der G8-Reform schon jedes Kind, dass relevant in dieser Welt nur ist, wer durch die Verausgabung seiner Arbeitskraft Wert produziert, der sich im Tausch mit anderen Waren realisieren lässt. Lässt sich bei der Herstellung herkömmlicher Güter im Zuge der Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch maschinelle Produktion nicht mehr genug Mehrwert abschöpfen, werden auch immaterielle Güter wie Bildung oder Gesundheit zunehmend in Warengestalt gepresst und tauschbar gemacht. Wer nicht, nicht unter anerkannten Bedingungen oder nicht “ausreichend” gegen Lohn arbeitet und auch nicht über privates Eigentum an Produktionsmitteln wie Boden, Immobilien oder Maschinen verfügt, büßt seine Möglichkeit zur Mitgestaltung dieser Welt faktisch ein.

Im institut für vergleichende irrelevanz – kurz ivi – wird versucht, dieser bewusstlosen Praxis eine andere – theoriepraxisparty – entgegenzusetzen. Gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur und gegen die Universalisierung der instrumentellen Logik des Warentauschs soll dort praktiziert werden, was seit dem Wegfall der zu autoritären Denkfabriken umfunktionierten neoliberalen Hochschulen als Bildungs- und Politisierungsinstanz anderswo kaum mehr möglich ist: Denken um seiner selbst willen.

Aus Selbsterhaltungsinteresse lässt die herrschende Idiotie dagegen lieber Fakten als Argumente sprechen: Mit dem Verkauf des alten Kramerbaus, in dem das ivi untergebracht ist, gab die Goethe-Universität ihre Toleranz für die Reste nicht-musealer kritischer Theorie in Frankfurt endgültig auf, um ein Haushaltsloch von einer Million Euro zu stopfen. Die dortigen Veranstaltungen werden vom neuen Eigentümer Franconofurt, der seine Interessen auch sonst mit äußerster Aggressivität vertritt, durch die Konstruktion einer nicht-existenten “ivi – Gesellschaft bürgerlichen Rechts” unter Hilfe der willfährigen Justiz und der Polizei verboten. Zukünftig soll geräumt werden, ohne dass die Stadt, die Universität, oder diejenigen Bürger_Innen, deren Irrelevanz noch nicht ausgemachte Sache ist, etwas dagegen unternähmen. Beispielhafter könnte man das Zusammenspiel von Staat, Kapital und pseudofreier Wissenschaft nicht entwerfen.

Aber das ivi ist nicht verkäuflich und es gehört auch niemandem. Es ist Ausdruck der Idee einer lebenswerten Einrichtung der Welt für alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität, Einkommen oder Staatsangehörigkeit. In der Architektur Ferdinand Kramers hat diese Idee eine Wahlverwandtschaft gefunden und sich dort niedergelassen. Ihre Notwendigkeit besteht gerade darin, dass die tatsächliche Welt ihr kaum weniger gleichen könnte:

Wo entgegen der technischen Möglichkeiten im 21. Jahrhundert noch Menschen hungern müssen, weil die Lebensmittelproduktion in ihren Ländern mit der exportsubventionierten Landwirtschaft der kapitalistischen Zentren nicht mithalten kann;

wo der Wohlstand und soziale Frieden in Europa durch die Tode von Flüchtlingen an den abgeschotteten EU-Außengrenzen erkauft wird;

wo im vereinten postnazistischen Deutschland selbst nach der faktischen Abschaffung des Asylrechts 1992 weiter gegen Asylbewerber_innen gehetzt wird und Nazi-Mörder_Innen wie der NSU staatlich subventioniert werden, ohne dass mit der bürgerlichen Grundsätzlichkeit dagegen aufbegehrt wird, mit der Lappalien wie Stuttgart21 kritisiert wurden;

wo deutsche “Linke” noch heute argwöhnisch auf das sich verteidigende Israel blicken und das Treiben der antisemitischen Hamas ignorieren, die in ihrem wahnhaften Bestreben, Israel zu vernichten, auch die palästinensiche Zivilbevölkerung solange terrorisieren wird, bis das letzte Quentchen Vernunft durch Ignoranz oder Identifikation mit den Agressoren zu Wahnsinn geronnen ist;

wo mensch Haushaltsdefizite in Krisenzeiten anklagt, ohne die Kontinuität rassistischer Übergriffe und das sichtbare Erstarken faschistoider Kräfte – nicht nur im griechischen oder ungarischen Parlament, sondern durch weitläufige antidemokratische Tendenzen bis in die Mehrheitsgesellschaften und Institutionen aller europäischen Staaten hinein – eines Wortes zu würdigen;

kurz: wo sich erneut eine autoritäre Zuspitzung der Verhältnisse abzeichnet, reicht ein ivi nicht aus, um mit dem Denken dieser falschen Welt hinterherzukommen.

Ein ivi ist nicht genug. Also öffnen wir heute ein weiteres..

http://wastend.wordpress.com/