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Florida goes to Frankfurt. Das Recht auf die Stadt und die “kreative Klasse”

Florida goes to Frankfurt. Das Recht auf die Stadt und die “kreative Klasse”

Der Slogan “Recht auf die Stadt” scheint in anschaulicher und zutreffender Weise Themen der gegenwärtigen Stadtentwicklung zu bündeln: Privatisierung kommunaler Güter, Gentrifizierung und kontrollpolitische Durchdringung öffentlicher Räume. Der französische Philosoph Henri Lefebvre, der diese Parole 1968 erstmals auf die politische Agenda gesetzt hat, verfolgt damit ein staats- und herrschaftskritisches Projekt, dessen Anspruch über das bestehende System hinausweist.

Er versteht das “Recht auf die Stadt” vor allem als Forderung jener sozialen Gruppen, die unter dem reglementierten städtischen Alltag leiden oder in irgendeiner Weise marginalisiert und peripherisiert werden. Denn für Lefebvre definiert sich die Stadt über ihre Zentralität. Es geht um die Verdichtung von Macht, Wissen und Information. Zentralität ist auch als produktiver Prozess zu verstehen: Aus dem gleichzeitigen Zusammentreffen unterschiedlichster Elemente der Gesellschaft an einem Punkt kann etwas Unerwartetes und Innovatives entstehen. Für Lefebvre bedeutet deshalb das “Recht auf die Stadt” auch, “das ‘Zentrum’ als Ort der Kreation, der Kultur, der Urbanität wiederzufinden”.

Solche Bestrebungen, einstmals von den verändernden Kräften als Kritik an der “fordistischen Stadt” verstanden, sind inzwischen vom flexiblen Kapitalismus für seine Zwecke instrumentalisiert worden. Man denke nur an das aktuelle Leitbild von der Creative City, das vor allem der US-amerikanische Wissenschaftler Richard Florida populär gemacht hat: Demnach weisen gerade solche Städte bemerkenswerte Kreativitäts- und Innovationskapazitäten auf, in denen der Meltung Pot-, Gay- und Bohemian-Index besonders hoch ausfällt.

Wer also in dem “war for talent” bestehen wolle, müsse für das richtige urbane “Rauschen” sorgen. Von der Mobilisierung kultureller Ressourcen erhoffen sich die Verantwortlichen nicht nur eine städtische Regeneration, die urbane Kultur wird vielmehr als treibende Kraft eines neuen dynamischen Kapitalismus angesehen.

In der Veranstaltung wollen wir das Kreativ-Konzept hinterfragen und dabei auch einen Blick auf die Frankfurter Verhältnisse werfen. Nicht zuletzt, um die Rolle der Subkulturen in der “Floridarisierung” der Stadtentwicklung zu reflektieren.

Nitribitt – Frankfurter Ökonomien

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