verwalten, vergessen, verdrängen.
veranstaltungsreihe zu architektur und geschichte im rahmen der dialektik-offensive 2010
fr, 22.01., 12h, studihaus: zur herrschaft der weißen wand. ex-ex-unipräsident meißner begründete seine initiative zur umbenennung des ig-farben hauses in „poelzig-ensemble“ explizit mit der „Reinwaschung von nationalsozialistischen Bezügen“. referat und diskussion über den zusammenhang von sauberkeit und herrschaft am neuen campus.
fr. 22.01., 20h, ivi: ferdinand kramer – demokratische architektur und sozialer gebrauchswert. referat und diskussion zu den kramerbauten in frankfurt.
do, 28.01., 18h, ig-farben haus [treffpunkt foyer]: präsidiale propaganda. zur kritik der universitären Medien- und Identitätspolitik. wenn dialogoffensiven angekündigt werden, ist vorsicht geboten. in der veranstaltung werden die reaktionären implikationen der präsidialen politik einer kritischen analyse unterzogen.
di, 02.02., 18h, ig-farben haus [treffpunkt foyer]: sitzen bleiben, das wäre schön – alltag am ig-farben. mit stiftungsrat, modularisierung, ba/ma und anderem wird die uni umgebaut und die goethe-uni darf sich dazu auch noch neue gebäude bauen. wie dabei der bologna-prozess in bänken form gewinnt und sich leuchttürme in mülltonen wiederfinden lassen, versuchen wir in detaillierter betrachtung zu erörtern.
mi, 03.02., 20h, ivi: ferdi gegen frankfurt (dokumentarfilm, hr 1983, regie: digne meller marcovicz). kramer berichtet aus seinem leben. auf spaziergängen über den bockenheimer campus kommentiert er die architektur – und was daraus geworden ist.
mi, 10.02., 20h, ivi: das haus der 1000 zimmer (dokumentarfilm, hr 2001, regie: yvonne menne). der film erzählt die geschichte des ig-farben hauses: von der tragenden rolle der ig-farben im nationalsozialismus über den einzug der amerikanischen armee bis zur universitären nutzung.
do, 11.02., 18h, ig-farben haus[treffpunkt foyer]: studieren nach auschwitz. unkonstruktive bemerkungen zum schönsten campus deutschlands aus erinnerungspolitischer sicht
veranstalter_innen:
institut für vergleichende irrelevanz [ivi], kettenhofweg 130, ffm
fr, 22.01., studihaus: workshoptag zum thema ‚campus-kultur und gesellschaft’
mi, 27.01., 10 - 15h, ig-farben haus [foyer]: lesung der opfernamen anlässlich des befreiungstags des vernichtungslagers auschwitz-birkenau durch die rote armee
mi, 27.01., 19.30h, ig-farben campus [hz 11]: film: die befreiung von auschwitz (regie: irmgard von zur mühlen)
sa, 30.01., 14h, campus bockenheim: die uni gehört allen. bundesweite demo
fr, 05.2. + fr, 12.2., studihaus: workshoptag zum thema ‚materialistische analyse von bildung und wissenschaft’
fr, 25.02., 19.30h, jügelhaus (mertonstrasse, raum hh): podiumsdiskussion zur zukunft des campus bockenheim. veranstalterin: bürgerinitiative ‚ratschlag campus bockenheim’
Nach schweisstreibenden Auftritten im letzten Herbst, die meistens in einer ausgelassener Dancy-Party geendet haben, kommt die Band mit dem sonderbaren Namen mit neuer Platte auf Deleted Art wieder nach Europa. Kann die überhaupt jemand aufhalten?
Aufgedrehtes Schimmern, Leuchten, Rauschen, Scheinen. Selten passten
Plattencover derart gut zum musikalischen Inhalt. Bunte Städte,
verdrehte Gebäude, merkwürdige Gestalten in glitzernden U-Booten, ein
pittoresk überfrachtetes Gebastel aus Surrealismus, Jugendstil und
sozialistischen Wandmosaiken. Und dahinter: zwei Typen von der
Westküste hinter einem Salat aus Kabeln, Geräten, Tasten, Wirbeln,
Schaltern und virtuellem Konfetti. Melodien balgen sich um den besten
Platz in der ersten Reihe vor und hinter sagenhaft verzerrtem
Beatgeknirsche, das die Destination zwischen straight geradeaus und
verdreht über die eigenen Füße stolpernd immer mal wieder ändert.
Übergeordnete Idee: Autorenn-Überholspur. Mit viel Kopfnicken. Und
immer wieder schieben sich ebenso überaus verzerrte Gesangsmomente
durch das flimmernd nebelartige Lärmen. Man stelle sich sowas vor wie
eine hochkoffeinierte Variante von Casiotone For The Painfully Alone mit
Megaphon und Kurzbesuchen von Animal Collective vor. Dann bitte Augen
weit aufreißen. Lohnt sich.
Workshop-Programm zum Themenblock „Materialistische Analyse von Bildung und Wissenschaft I“
Donnerstag 04.02.2010, 20.00 Uhr Foyer im Turm
Vortrag und Diskussion Die SDS-Hochschuldenkschrift von 1961. Hintergründe, Inhalte und Aktualität
Referent: Wolfgang Nitsch (Mitherausgeber der Schrift)
1961 publizierte der SDS die sogenannte „Hochschuldenkschrift“, in der eine umfangreiche Analyse der damaligen Hochschule vorgenommen wurde und Entwicklungsziele und -möglichkeiten für eine demokratische Hochschule formuliert wurden. Die Hochschuldenkschrift nahm wichtige Argumente der 68er-Bewegung vorweg und spielte eine hervorragende Rolle in der damaligen Hochschuldiskussion. Im Vortrag soll es um die Motive hinter der SDS-Hochschuldenkschrift und die Inhalte ihrer Analyse gehen. Außerdem soll überlegt werden, inwiefern an die damals vertretenen Positionen angeknüpft werden kann, und was im Vergleich zu damals in der heutigen Situation notwendig wäre. Der Referent Wolfgang Nitsch hat die Schrift mit herausgegeben.
WIE IMMER: BITTE BRINGT NACH MÖGLICHKEIT ETWAS FÜR DEN SELBSTORGANISIERTEN BRÖTCHENTISCH (AUFSTRICH, OBST, ETC.) MIT. GETRÄNKEVERKAUF WIRD ANGEBOTEN.
12.00 Uhr Umstrukturierung der Hochschule
In den Protesten um (Hochschul-)Bildung geht es immer wieder darum, die Ökonomisierung von Bildung anzuklagen. Es empfiehlt sich genauer zu fragen, was unter dieser Diagnose zu verstehen ist. Im Rahmen des Workshops sollen vor dem Hintergrund der Thesen von Michel Foucault zur Machtausübung im Neoliberalismus die Hochschulreformen der letzten Jahre betrachtet werden.“
14.00 Uhr Einführung in die Grundlagen materialistischer Staatstheorie
Im Zentrum des Workshops soll die Frage stehen: was ist der Staat? Eine Auseinandersetzung mit dieser Frage verspricht gerade im Kontext einer Bildungskritik relevante Einsichten, denn bei (Hoch-)Schulen handelt es sich nicht schlicht um Bildungsinstitutionen, sondern um Staatsapparate. Die Form und Funktionsweise von (Hoch-)Schulen sowie ihre Transformation sind daher auch in Hinblick auf Form, Funktionsweise und Transformation des kapitalistischen Staats zu analysieren und zu kritisieren. Vor diesem Hintergrund sollen in dem Workshop die Grundannahmen materialistischer Staatstheorie vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden.
16.00 Uhr Bildung und Wissenschaft im Kapitalismus
Gegen die als „Ökonomisierung“ wahrgenommenen Veränderungen der Hochschule wurde in der Geschichte immer wieder die Forderung nach Unabhängigkeit, nach selbstbestimmter Bildung und Freiheit der Wissenschaft erhoben. Die Analyse von Bildung und Wissenschaft zeigt, dass dies ihrer realen Gesellschaftlichkeit widerspricht, die nicht weg zu reformieren ist. Im Referat sollen die Funktionen von Bildung und Wissenschaft für die Mehrwertproduktion und für die Reproduktion von Herrschaftsverhältnissen analysiert werden, es soll erklärt werden, warum Bildung und Wissenschaft staatlich organisiert sind, aber auch nach ihren Widersprüchen und ihrer kulturellen Bedeutung gefragt werden.
18.00 Uhr Abschlussdiskussion
Nach einem anregenden und produktiven Workshoptag treffen wir uns gemeinsam, um Ergebnisse zusammenzutragen und offene Fragen zu diskutieren.
Große und kraftvolle Demo / Polizeieinsatz sorgt für Empörung
An der heutigen Demo „Die Uni gehört allen“ beteiligten sich ca. 4000 Personen. Die Veranstalter betrachten dies als „großen Erfolg“, der jedoch durch einen „skandalösen und schikanösen Polizeieinsatz“ überschattet wurde.
Die Demonstration zog bei Schnee und Glätte von der Bockenheimer Warte über die Alte Oper; von dort über den Rossmarkt zum I.G.Farben-Campus, um an der Bockenheimer Warte zu enden. Die Demonstrant_innen riefen Parolen wie „Weg-weg-weg mit dem Präsidium „ und „Eliteuni hahaha – Bildung ist für alle da!“. Redner_innen waren u.a. Prof. Thomas Sablowski, Carmen Ludwig (GEW) und AStA-Vorsitzende Nadja Sergan. Magda Nussbaum, Pressesprecherin des Protest-Plenums, bewertet die große und breite Beteiligung als „großen Erfolg und weiteren Schritt für eine gemeinsame soziale Bewegung gegen Verwertungszwang, soziale Ungleichheit, kapitalistische Sachzwangpolitik und die autoritäre Formierung der Gesellschaft“. Die Demonstrant_innen hätten klargemacht, „dass sie ihr Leben selbstbestimmt führen wollen. Die radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche zu fordern, bedeutet, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen, anstatt es sich von Konkurrenzmechanismen, Kontrolle und sozialer Ausgrenzung kaputt machen zu lassen.“ Auch die große bundesweite Solidarität mit den Betroffenen der Casino-Räumung sei „beeindruckend“ gewesen.
Überschattet wurde die Demo erneut von einem schikanösen Polizeieinsatz. „ Nachdem die Polizei im vorhinein irre Gefahrenszenarien entworfen hat, gab es heute mal wieder Frankfurter Verhältnisse in Höchstform“, so Magda Nussbaum weiter. Die Polizei habe sich nach ihren Warnungen vor brennenden Autos heute „im schlechtesten Sinne blamiert“. Markus Niemeier, Pressesprecher des Protest-Plenums, sprach von „empörten Passanten und massiver Einschüchterung und Provokation durch die Polizei. Erst fantasiert man einen halben Bürgerkrieg herbei, um dann die ganze Demo lang zu provozieren und wegen eines fliegenden Böllers Dutzende Leute mit Pfefferspray zu attackieren. Vielleicht lässt Achim Thiel bald auch Leute verprügeln, die bei rot über die Ampel gehen.“ Selbst die zeitweise „zurecht aufgeheizte Stimmung“ legitimiere keine Polizeigewalt. „Dass es nicht zu den beschworenen Auseinandersetzungen gekommen ist, ist einzig der Vernunft der Demonstrant_innen zu verdanken.“
Die Polizei setzte heute mehrfach Pfefferspray und Schlagstock ein, begleitete die Demo ab der Alten Oper in einem Spalier mit Körperkontakt, kontrollierte mindestens einen anreisenden Bus aus Braunschweig über 40 min lang, filmte die komplette Demo und steht derzeit in der B-Ebene der Bockenheimer Warte, um flächendeckend Personen zu kontrollieren und Personalien festzustellen.
„Die gesamte Außenwirkung der Demo war von der Polizei bestimmt. In Frankfurt ist es scheinbar nicht mehr möglich, eine politische Demonstration durchzuführen – außer als wandelnder Gefangenentransport“, so Niemeier. Die Veranstalter erwägen juristische Schritte und werden in den nächsten Tagen beraten.
Trotzdem herrscht Optimismus unter den Demonstrant_innen. „Ein gelungener Auftakt für Bildungs- und Sozialproteste 2010 - dass diese von Repression betroffen sind, wussten wir ja ohnehin schon vorher“, so Niemeier abschließend.
Nun gibts alle neuen Infos zu den Autonomen Tutorien der Fachbereiche 03 und 04 im Wintersemester 2009/10.
Hier findet ihr alle wichtigen Informationen: