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Am Freitag, 20.1. ab 18:00 Uhr findet im IVI, Kettenhofweg 130 Frankfurt/Main eine Veranstaltung statt, die keine Person verpassen wird, die sich nicht vor der Geschichte blamieren will. Es werden 2 bahnbrechende Präsentationen gezeigt, die euch aus unerträglicher Lethargie erretten. Wir arbeiten seit einiger Zeit mit großem Ernst an der Kritik der gegenwärtigen und der historischen communistischen Bewegung und präsentieren einige Resultate unserer bisherigen Forschung.

18:00 Uhr – Proletarität und Revolutionstheorie – Zu den Konstitutionsbedingungen und der Beschaffenheit revolutionärer Subjektivität
Das »Proletariat« hat als Chiffre eine lange, unrühmliche Karriere hinter sich. Im »traditionellen Arbeiterbewegungsmarxismus« mit dem historischen Phänotypen des Proleten identifiziert, welcher qua seiner Stellung im Produktionsprozess und seiner moralisch verstandenen Knechtung revolutionäres Bewusstseins spontaneistisch im Klassenkampf entwickeln müsse, oder per se rebellisch jenseits der Fetischisierungen, Mystifizierungen und Naturalisierungen der kapitalistischen Verkehrsformen stünde, hat sich spiegelverkehrt dazu das Gros der Marxisten und Linken enttäuscht vom Proletariat verabschiedet, nachdem dieses nicht seinem »geschichtlichen Beruf« (Marx) nachgekommen ist, sondern sich stattdessen ganz im Gegenteil als das erwiesen hat, als was es im kapitalistischen Produktions und – Verwertungsprozess gesetzt ist: variabler Teil des Kapitals. Seit dem Untergang des sogenannten »Realsozialismus«, sowie der »prolet-arischen« (Franz Neumann) Konterrevolution des Nationalsozialismus und der Shoa schwankt die westliche Linke allgemein und die deutsche insbesondere zwischen einer abgeschmackten Neuauflage der positiven Revolutionstheorie des Traditionsmarxismus, der (wertkritischen) Soziologisierung des Proletariats, einer Ausweitung des »utopische Bilderverbot(s) auch auf die Frage nach dem revolutionären Subjekt« (Ingo Elbe) und dem postmodernistischen »Abschied vom (revolutionären) Subjekt«. Während sich die fortschreitende Akkumulation des Kapitals weiterhin über die extensiv wie intensiv akkumulierende Proletarisierung eines Großteils der Menschheit vollzieht, ist der Begriff von der »Daseinsform, Existenzbestimmung« (Marx) der Proletarität und den Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Dimension revolutionärer Theorie und Praxis verschüttet. Gegen die Arbeitertümelei des Proletkults einerseits und die ihr aufsitzende Abkehr vom Proletariat andererseits wäre Proletarität nicht als Antwort auf die Scheinfrage zu begreifen, ob das Proletariat bereits das revolutionäre Subjekt sei, sondern als eine Voraussetzung des dynamischen Prozesses seiner Subjekt- und Bewusstwerdung zu rekonstruieren, die eine kommunistische Revolution realistisch möglich und denkbar macht. Nur in einer nüchternen Bestimmung der Bedingungen, objektiven Möglichkeiten und Tendenzen einer kommunistischer Vergesellschaftung lassen sich die Formen und der Inhalt revolutionärer Subjektivität als der »Klasse des Bewusstseins« (Lukács) konkretisieren, die sich auf der Höhe der modernen Vergesellschaftung wissenschaftlich über ihre Lebensverhältnisse klar wird und sie praktisch umwälzt. Der Zusammenhang des Proletariats mit einer kommunistischen Revolutionstheorie wäre also in dem konkreten Beantwortungsprozess der Frage zu erschließen, wie diese Revolution beschaffen, was ihre Voraussetzungen, Mittel und Ziele sein könnten.
19:30 Uhr – Der öffentliche Raum in der spektakulären Zeit
Die moderne Kunst hatte zum kapitalistischen Alltagsleben bereits in den 20er Jahren alles gesagt: Dass es zu überwinden sei. Die damaligen Avantgarden sahen sich Vorreiter einer umfassenden Revolution, in deren Dienst die Poesie zu stellen sei. Sie griffen die Kunst selbst an, deren „bürgerliche“ Schönheit und Erbaulichkeit sie nur zur Rechtfertigung des Bestehenden für tauglich hielten. Aber die erhoffte Revolution blieb aus und die avantgardistische Kunstkritik verlor ihre destruktive Bedeutung. Die dadaistischen und surrealistischen Werke wurden genießbar und selbst zu hoch gehandelten Kunstwaren.
In den 50er Jahren traten in Paris die Lettristen auf den Plan, von denen einige später die Situationistische Internationale gründeten. Sie erklärten die Versuche der alten Avantgarden für gescheitert und schrieben sich konsequent das Projekt der Aufhebung der Kunst und Verwirklichung der Poesie auf die Fahnen, d.h. die Freisprengung der ästhetischen Vermögen aus der Kunstsphäre als Voraussetzung einer neuen revolutionären Praxis im alltäglichen Leben. Zu diesem Zweck entwickelten sie Methoden wie la Dérive (das Umherschweifen in Städten als Forschungsmethode), die Psychogeographie (Wissenschaft von den Wirkungen des geographischen Millieus auf das emotionale Verhalten der Individuen) und das Détournement (bewusste Entwendung vorgefundener kultureller Gegenstände), deren Bedeutung für eine revolutionäre Theorie und Praxis der Vortrag zu diskutieren unternimmt.
Freitag, 20.1. ab 18:00 Uhr im IVI, Kettenhof 130, Frankfurt / Main (U-Bahn Station „Bockenheimer Warte“)
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Nach der Veranstaltung gibt es im IVI „irgendso ein Punkkonzert, oder eigentlich gar kein richtiges Konzert“. Da gehen wir dann auch hin.
Vortrag und Diskussion:
(Leistungs)Drogen im studentischen Alltag. Citius, altius, fortius - Enhancement zwischen Alltag, Labor, Vision und Hype
Institut für Irrelevanz( IVI) 18.01.12 20 Uhr
Die Grüne Hochschulgruppe der Universität Frankfurt lädt ein zu einem Vortrag vom Maximilian Plenert ( deutscher Hanfverband e.V. und Bundesvorstandsmitglied Akzept e.V.).
Im Vortrag wird der Drogenkonsum im studentischen Alltag thematisiert, ob Upper oder Downer welchen Funktionen erfüllen diese Drogen
in unsere jetzigen Gesellschaft und welche Folgen haben sie ?
Die Pharmaforschung der letzten 100 Jahre hat nicht nur zahlreiche neue Medikamente und Drogen hervorgebracht sondern auch eine Vielzahl
leistungsteigender Substanzen. Neben den Dopingmitteln im Sport wird im Alltag, während der Arbeit oder in der Freizeit Enhancement betrieben.
Dies beginnt heute bei der Ernährung und reicht vom Einsatz von Medikamenten und Drogen bis hin zu zukünftigen Möglichkeiten der direkten Hirnstimulation, welche bereits in Laboren getestet wird. Der Vortrag soll einen Überblick über die Möglichkeiten des Enhancements geben und einige ethische, rechtliche und soziale Aspekte diskutieren.
http://ghsgffm.blogsport.de/
Vortrag und Diskussion mit Gerhard Stapelfeldt
Die Idee der Universität, im Anschluß an antike Vorbilder im Spätmittelalter und in der Renaissance entwickelt, zielte auf die Bildung des Menschen: auf Selbst- und Welterkenntnis im Interesse der Verwirklichung des Landes „Utopia“ (Morus).
Diese Idee wurde bis heute nicht verwirklicht. Sie wurde in der Epoche des deutschen Idealismus auf eine bloß innerliche, theoretische Revolution, in den folgenden Stadien des Imperialismus und Staatsinterventionismus auf technische Rationalität reduziert.
Der gesellschaftlich irrationale Neoliberalismus vollendet diese „Zerstörung der Vernunft“. Die unter dem Titel ‚Bologna-Prozeß’ im EU-Europa vollzogene Umstrukturierung der Universitäten setzt diese unter die Normen der spontanen Wettbewerbsordnung und unter die Imperative der ‚Wissensökonomie’.
Im Vortrag werden daher folgende vier Probleme skizziert: die Zerstörung der Ideen der Universität und der Bildung; das neoliberale Modell der Gesellschaft und der Wissensökonomie; das Außenverhältnis der neuen Universität; die Binnenstruktur (Lehre und Forschung) der neoliberalen Universität.
Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt lehrte von 1979 bis 2009 am Institut für Soziologie der Universität Hamburg
Eine Veranstaltung des Referats für Politische Bildung im AStA der Goethe Uni Frankfurt
Risse erweitern in-gegen-und-jenseits-des-Kapitalismus
Vortrag und Diskussion mit John Holloway und Stephanie Hürtgen
John Holloways Aufforderung »die Welt zu verändern, ohne die Macht zu übernehmen« führte zu einer weltweiten Diskussion um Methoden, mit denen der Kapitalismus überwunden werden kann. In seinem neuen Buch »Kapitalismus aufbrechen« entwickelt er die Diskussion weiter, wie hier und heute grundlegende Veränderungen zu erreichen sind.
Anstatt die scheinbare Stabilität des Kapitalismus in den Vordergrund zu stellen, geht es für Holloway um die Instabilität, um die Risse, die wir dem Kapitalismus abtrotzen. Wie können diese Risse zu sich erweiternden Breschen gemacht werden? Dabei geht es um die Vorstellung eines Widerstands, der im Alltag des entfremdeten menschlichen Lebens begründet ist. Die Frage nach der Revolution ist nicht, wie der Kapitalismus endgültig zerstört werden kann, sondern, wie sich verhindern lässt, dass er immer wieder reproduziert wird und wie unsere Praxen sich verändern müssen, damit wir diese Reproduktion beenden.
Die Kritik der Arbeit, des Staats und der Parteiform nehmen in seiner Theorie eine besondere Rolle ein und die positiv-kritische Bezugnahme auf den Zapatismus stellt eine zentrale Facette seines Denkens dar. Wie erschaffen wir eine andere Welt? Indem wir den Kapitalismus aufbrechen: Risse erzeugen, Augenblicke und Räume des Widerstands erschaffen, in denen wir auf eine andere Art handeln, in einer anderen Weise Sachen tun, mit denen wir einen Kampf um die Würde führen.
In einem Kommentar will Stefanie Hürtgen wichtige Denkanstöße für eine linke Theorie und Praxis herausstreichen. Diese bestehen aus ihrer Sicht vor allem darin, dass John Holloway nicht abstrakt »die Systemfrage« stellt, sondern - analytisch über den Begriff »Arbeit« im Kapitalismus - nach »Tätigsein« und damit nach der praktischen Herstellung von sozialen Verhältnissen fragt, und zwar durch »uns« in einem weiten und emphatischen Sinne. In dieser Perspektive geht es weniger um »linke Politik«, die allzu oft als den Verhältnissen äußerlich gedacht wird, sondern um Wahrnehmung, Reflexion und Veränderung (unseres) alltäglichen Handelns.
Ihre Kritik setzt an der Frage an, wie von den »Rissen« in der kapitalistischen Gesellschaft gedanklich und praktisch zu einer Selbstvergesellschaftung von »Tätigsein« gelangt werden kann. Der völlig richtige Verweis darauf, dass wir in entfremdeter, abstrakter Arbeit nicht aufgehen, sondern immer auch konkrete und soziale Tätige sind, reiche nicht aus.
John Holloway lehrt an der Benemérita Universidad Autónoma de Puebla (BUAP) in Puebla/Mexiko. Aus der Tradition des Open Marxism kommend, hat er, inspiriert von kritischer Theorie und italienischem Operaismus, die marxistische Theorie in zentralen Bereichen mit weiterentwickelt.
Stefanie Hürtgen ist Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung und Dozentin an verschiedenen Unis sowie in der politischen und gewerkschaftlichen Erwachsenenbildung.
Rosa-Luxemburg-Stifzung
Die Heideggerkritik von Lukács
Der philosophische Dichter und Denker im Lande der Richter und Henker – der (prä- und post-) NS-Ideologe Martin Heidegger – hat vor allem auf einem Gebiet zu siegen nicht aufgehört: bis heute wird „Ontologie“ in einem stereotypen Reflex gerade auch von Linken allererst mit seinem Namen in Verbindung gebracht. Dass es sich dabei jedoch um eine Pseudo-Ontologie handelt, welche vom „Dasein“, „Seienden“ und „Seinsgrund“ usw. faselt, waehrend sie die begriffliche Bestimmung aller Kategorien und Beziehungen von gesellschaftlichem Sein, Bewusstsein sowie last but not least naturhaften Seinsgrundlagen verbietet und durch Mystizismus ersetzt, dies materialistisch aufzudecken gelang dem Begründer des „westlichen Marxismus“, Georg Lukács, dessen ontologische Kritik aber noch immer weithin verdeckt wird von der Adornoschen Ontologiekritik. Ohnehin wird im fachphilosophischen herrschenden Universitätskanon „Ontologie“ noch stets pauschal als „vor(erkenntnis)kritische Metaphysik“ tabuisiert.
In der bisherigen transLib-Reihe zum Existenzialismus (2010/2011) wurde indes ein spannender Aspekt sichtbar: Es gibt auch Bemühungen um eine kritische Methode der Gesellschaftsanalyse und ihr entsprechende Ethik, die von Karl Marx’ Feuerbachthesen und der Kritik der politischen Ökonomie ausgeht, sich in dieser Perspektive als kommunistisch-revolutionär versteht und gleichwohl sich durchaus als ontologisch basiert begreift. Die phänomenologische oder spekuläre Ontologie von J.P.Sartre, die spektakelkritische der Situationisten und eben die historisch-genetische Gesellschaftsontologie von Lukács wurden bisher benannt. Wenn nun letztere ins Zentrum dieses Vortrags gestellt wird, dann geht es um ein Resümee des Weges, den eine „Neue Ontologie“ seit dem Ende des Ersten Weltkrieges in der Heidegger- und in der Lukács-Richtung in unversöhnlicher Divergenz eingeschlagen hat. An jeder Wegmarke erwies er sich erneut als Scheideweg:
– ob Kategorien oder ob „Existenzialien“ herauszuarbeiten sind,
– ob es einen „dritten Weg“ zwischen „Idealismus“ und „Materialismus“ oder zwischen „Rationalismus“ und „Irrationalismus“ geben kann,
– ob Philosophie, Wissenschaft, Theorie und Denken miteinander und mit gesellschaftlicher Praxis revolutionär zusammengehen können,
– ob Geschichtlichkeit mit theologischen Deutungsmustern zu interpretieren ist oder immer nur als Veränderung der Gegenständlichkeit durch die Menschen begriffen werden kann,
– ob die Subjektivität oder die Objektivität im gesellschaftlichen Sein, in Raum und Zeit für die Analyse der Bewusstseinsformen und Gesellschaftsformen das Entscheidende ist,
– und welche Funktion in alledem die Sprache hat …
Jede dieser Entscheidungsfragen wurde von Lukács seit 1920 bis 1970 diametral entgegen den Heideggerschen Denkvoraussetzungen gestellt und beantwortet.
„Das eigentliche Sein zum Tode, d.h. die Endlichkeit der Zeitlichkeit ist der verborgene Grund der Geschichtlichkeit des Daseins.“ (Heidegger) Lukács denunziert dies als Pseudogeschichtlichkeit.
„Heidegger will eine theologische Geschichtsphilosophie für den ‚religiösen Atheismus’ schaffen.“ Die Lukács’sche Ontologie arbeitet ideologiekritisch, indem sie materialistisch bloßlegt, dass und wie Sein wesentlich permanentes Anderswerden ist. „Es ist nicht so, dass sich die Geschichte innerhalb des Kategoriensystems abspielt, sondern es ist so, dass die Geschichte die Veränderung des Kategoriensystems ist. Die Kategorien sind also Seinsformen.“.
Wenn die menschlichen Bewusstseinskategorien die Seinskategorien reflektieren, dann bedeutet ontologische Methode die Analyse von Erscheinungen und Scheinformen in ihrer objektiven Wirkungsmächtigkeit als dialektisches, wesentliches Aufeinandereinwirken der Menschen. Sowohl Lukács als auch Heidegger sprechen von „Verdinglichung“. Doch genau mit der fetischismuskritischen Entfaltung dieses Begriffs legt Lukács die „Pseudoobjektivität“ der „Fundamentalontologie“ Heideggers als subjektivistische, ungeschichtliche — und immer wieder suggestive — Fixierung kapitalistischer Alltagsunmittelbarkeiten bloß. Ihre „philosophische“ Mystifikation hilft Menschen in der „Sorge“ der gesellschaftlichen Krise, sich dem vorgeblichen „Seinsgeschick“ und der „Entschlossenheit“, der “Gelassenheit zu den Dingen“ und dem „Sein zum Tode“ zu unterwerfen.
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Um 19 Uhr im Saal des IVI.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Drei Vorträge zur Dialektik von Existenzphilosphie und westlichem Marxismus des Sartre-Lesekreises in der translib
An dieser Stelle sei auch auf die Gegenaktivitäten der „Linken Fachschaft am Fachbereich 03″ der Uni Marburg angesichts der dort vom 25.-27.11. stattfindenden Tagung der Martin-Heidegger-Gesellschaft verwiesen: Link.
Do 17.11.2011
transLib (die queercommunistische Bibliothek
im IVI Dachgeschoss, Frankfurt am Main, Kettenhofweg130)
19Uhr:
Was ist Verdinglichung?
Wir lesen & diskutieren den Begründungs-Essay des westlichen Marxismus
als Einstieg in
das berüchtigte Buch von György Lukács: Geschichte & Klassenbewusstsein.
Texte vorhanden, keine marxistischen und philosophischen Vorkenntnisse nötig.
40 Jahre nach dem Tod des bedeutenden marxistischen Theoretikers (1885 – 1971), der als „enfant terrible“ des Kommunismus immer höchst umstritten blieb, ist die Kontroverse um sein Werk wieder aufgeflammt. Es dreht sich um „Die Verdinglichung und das Bewusstsein des Proletariats“ – so der Titel des großen Essays in seinem Buch von 1923, dessen Wirkungsmächtigkeit im 20.Jahrhundert unbestritten ist und das vor allem die kritische Theorie Adornos und W.Benjamins, aber auch des westlichen Communismus etwa der Situationist_innen zutiefst geprägt hat. Doch Lukács selbst war, als das Buch 1923 erschien, von Marx ebenso wie von Lenin, Rosa Luxemburg, Anton Pannekoek und den unterschiedlichsten, ja widersprüchlichsten Strömungen eines Rätekommunismus und zugleich Partei- und Staatskommunismus durchdrungen, die bis heute ebenso auseinanderdifferenziert wie unaufgehoben geblieben sind.
Mehr lesen: Neuer Lesekreis: Was ist Verdinglichung? // 17.11. 19 Uhr // translib-Raum

Magnus Klaue:
ABSCHIED VON DER GESCHICHTSPHILOSOPHIE
Adorno, Sartre und die Sehnsucht nach der positiven Freiheit
“Seit einiger Zeit findet in antideutschen Kreisen verstärkt die zuerst von Jean Améry unter dem Schlagwort vom „Jargon der Dialektik“ aufgestellte These Anklang, wonach im geschichtsphilosophischen Entwurf der „Negativen Dialektik“ und in der negativen Anthropologie, wie die „Dialektik der Aufklärung“ sie entwerfe, eine Verwischung der Grenze zwischen Tätern und Opfern der Shoah und eine Leugnung der moralischen Zurechenbarkeit individueller Handlungen wie auch individueller Leiderfahrung angelegt sei. Dadurch mache sich die Kritische Theorie, entgegen ihren Möglichkeiten, blind für die in keine „Dialektik“ auflösbaren Widersprüche der Empirie. In Rückgriff auf die Existenzphilosophie, insbesondere auf Amérys Begriff der Leiberfahrung und Sartres Theorem der „Entscheidung“, versucht etwa Gerhard Scheit in seiner Studie „Der quälbare Leib“, diesem Defizit beizukommen. Der Vortrag möchte es demgegenüber unternehmen, gerade das oft als „negative Teleologie“ abgelehnte Moment des Adornoschen Denkens als notwenige Bedingung geschichtlicher Wahrheitserkenntnis auszuweisen, und daran erinnern, daß an den „Schwierigkeiten mit der Geschichtsphilosophie“ (Odo Marquard), in die jeder denkende Mensch durch die reflektierte Erfahrung der Wirklichkeit gestürzt wird, nicht die Philosophie, sondern die Geschichte schuld ist.”
Der Vortrag wird am Donnerstag, 1.12., um 19 Uhr im großen Saal des IVI (Kettenhofweg 130) stattfinden.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Drei Vorträge zur Dialektik von Existenzphilosphie und westlichem Marxismus des Sartre-Lesekreises in der translib
Gefördert durch die Fachschaftenkonferenz (FsK) an der Uni Frankfurt :)
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