17.7. / “Hip Hop ist schwul” / Institut für vergleichende Irrelevanz / Kettenhofweg 130
18 Uhr Input
“Homophobie und Heterosexismus im deutschsprachigen HipHop”
Große Teile von HipHop befinden sich im Übergang von einem sub- hin zu einem popkulturellen Sammelbecken für sexistische und heteronormative Haltungen. Der Input bietet einen diskursanalytischen Zugang zu exemplarischen Image-Inszenierungen und Raplyrics als deren Artikulation an. Desweiteren wird ein Blick auf den ambivalenten Umgang der medialen Öffentlichkeit mit populären Rapper_innen vor dem thematischen Hintergrund gerichtet.
Mit Sookee (Berlin) und Refpolk (Schlagzeiln)
Im Anschluss Konzert mit Sookee (Quing of Berlin) Antilopengang (Ex-Anti-Alles-Aktion)
ACHTUNG: Wegen eines Trauerfalls im Institut für vergleichende Irrelevanz findet am 17.7. nur der Input um 18 Uhr mit Sookee und Refpolk, nicht aber das anschliessende Konzert mit Sookee und der Antilopengang statt.
***Bitte beachtet die Aktualisierungen des Programms, last update 19.o5.***
11. frankfurter gegen_uni: sexualität
Sexualität als Thema für eine Gegenuni stand schon länger auf der ‚Agenda’ des IVI, bzw. auf Listen, Schmierzetteln, in Plenumsbüchern, etc. Durchgesetzt hatte es sich dieses Semester gegen die Anwärterinnen Architektur und Dialektik. Die Diskussion um die Herangehensweise und die Auswahl der Themen nahm im Anschluss einen ziemlich chaotischen V erlauf. An jeder Kreuzung schienen die Wegweiser verdreht und mit neuen Ortsnamen versehen. Oder es wurden ständig neue Aspekte genannt, denen wir uns zuwendeten. Diese undisziplinierte Vorgehensweise führte zu einer Veranstaltungs- zusammensetzung, gegen die vielleicht der V orwurf aufkommen könnte, dass der innere Zusammenhang fehle, dass sie rein additiv sei. Um den Entstehungsprozess nachzuzeichnen im Folgenden also kein theoretisches Konzept, sondern ein ‚Reisebericht’.
Der Anspruch zu Beginn war, nicht nur den Wissenschaftskanon zu Wort kommen zu lassen, sondern auch Frankfurter Stadtgesellschaft, Künstlerinnen, politische Gruppen (was immer das sein mag) einzuladen, etwas zum Thema öffentlich vorzustellen. Inwiefern dies gelungen ist, wird sich zeigen. Die erste Diskussion kreiste um ein vorgebrachtes Statement, Sex solle sein wie Essen, es solle die Leute genauso viel oder wenig interessieren, mit wem man wann, wo, wie Sex habe wie die Frage, was man zum Frühstück gegessen habe.
Diese Metapher wurde stark kritisiert und darauf hingewiesen, dass sie in allen anderen Hinsichten nicht zutreffe. Insbesondere führe die Gleichsetzung mit dem Essen zu einer gedanklichen Ausschließung der Möglichkeit der Asexualität. Die Diskussion endete mit der Idee, Asexualität als eine Möglichkeit der sexuellen Orientierung zum Ausgangspunkt zu nehmen.
Dem wurde jedoch nicht weiter nachgegangen. Als Textlektüre entschieden wir uns zunächst
für das kontrasexuelle Manifest (Beatriz Preciado). Vielleicht könnte für den weiteren Verlauf gesagt werden, dass wir uns eher an Praxen orientierten, an verschiedenen Sexualformen und den Diskursen darum. Dabei fiel uns auf, dass wir uns vornehmlich an devianten Praxen orientiert hatten und es doch unsere Absicht war, heteronormale Praxen zu thematisieren und zu problematisieren. Nichtsdestotrotz befassten wir uns als nächstes mit dem Thema Polyamory (Klesse); Vertrag und Konsens als Konzept stand hier – wie auch schon im Kontrasexuellen Manifest – im Mittelpunkt und schien überhaupt bedeutsam für moderne sexuelle Praxen.
Auf dem nächsten Gegenuniplenum holte uns jedoch der tagespolitische Diskurs in der Form ein, dass der Vorschlag gemacht wurde, die aktuell in den Medien stattfindende Debatte um den ‚Kindesmissbrauch’ (sexuelle Gewalt gegen Kinder) zum Thema zu machen und Mediendiskurse, Theoriekonzepte und gesellschaftliche V erankerung in den Blick zu nehmen. Dabei ging es vor allem um eine Reflexion dessen, was in der medialen Diskussion des Themas wenn überhaupt nur sehr marginal passiert: Warum das Thema gerade jetzt zum breit diskutierten Problem wird, welche diskursiven V orbereitungen dieser Veröffentlichung es gegeben hat und innerhalb welcher V erhältnisse dieser Diskurs wie geführt wird. Welche gesellschaftlichen Hegemonien und Gewaltverhältnisse begünstigen an unterschiedlichsten gesellschaftlichen Orten Übergriffe auf Schwächere – wie hier konkret: auf Kinder – und warum wird das in der Diskussion systematisch nicht reflektiert? Deutlich wurde, wie in der Diskussion einerseits der immer noch höchst wirksame Mythos vom „asexuellen Kind“ mit der allerdings zentralen Unterscheidung von kindlicher und erwachsener Sexualität durcheinander gerät: Dass sich kindliche Erotik auch auf die Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen erstreckt und dieses Moment der Sinnlichkeit etwas nicht
nur sehr Schönes, sondern auch sehr Wichtiges für die kindliche Lebenswelt ist, wäre dabei ein dethematisierter Aspekt. Das Gewaltförmige in den Fällen sexueller Gewalt gegen Kinder liegt vielmehr in dem Ausnutzen der Asymmetrien im kindlichen und erwachsenen Erleben sowie in der Ausbeutung des Machtgefälles. Die projektive Abwehr des Themas kindlicher Sexualität mündet so in eine Verlagerung der Diskurse um (sexuelle) Gewaltverhältnisse, was wir an einem Text von Sophinette Becker über Pädophilie vertieften.
Um dann doch etwas Abstand von den einzelnen Ausprägungen der sexuellen Orientierung zu nehmen und die Diskussion wieder breiter zu führen, befassten wir uns mit demKonzeptderNeosexualitätenvonVolkmar Sigusch. Dieses Konzept versucht eine Entwicklung der Sexualität in den westlichen Gesellschaften nachzuzeichnen bzw. die Ablösung eines Sexualitätskonzepts durch ein anderes darzustellen. Ein Teilaspekt bildet die These, dass eine Diversifizierung der Sexualität stattgefunden habe und vormals kriminalisierte oder pathologisierte Praktiken eine breitere gesellschaftliche Anerkennung gefunden haben. Er konstatiert aber auch die Zurückwendung des Subjekts auf sich selbst, den self-sex. Die Bezugnahme auf die Sexualwissenschaft erschien uns einerseits insofern sinnvoll und wichtig, da es sich bei ihr um einen kritischen Wissenschaftszweig handelt, der in Frankfurt aus dem ‚Kanon’ eliminiert wurde. Andererseits scheint es, als hätten wir mit unserer Diskussionsreise durch diverse V orstellungen, Konzepte und Praxen der Sexualität genau jene Bewegung nachvollzogen, die Sigusch unter dem Begriff der Neosexualitäten zu fassen versucht hat.
Mit dem bestehenden Programm wurde nun Einiges zum Sprechen gebracht, anderes bleibt ziemlich im Dunkeln. Diese Beliebigkeit ist zum großen Teil den (immer: hässlichen) Sachzwängen geschuldet: Referent_innen
sagten ab oder meldeten sich nie zurück, und für uns als V orbereitungsgruppe – bestehend aus Lohnarbeiter_innen und Studierenden, Arbeitslosen und Doktorand_innen oder Mischformen aus alledem – gab das Zeitbudget oft nicht so viel her. Ob die jetzige Vielfalt und Beliebigkeit, das „bunte Warensortiment“, im Nachhinein auch als Praxen von Neosexualität und Neoliberalismus zu begreifen sind, hat uns nachdenklich gemacht. Dies weiter zu reflektieren ist etwa so notwendig wie die Frage, wie viel neoliberaler Kapitalismus zu welchen Bedingungen im Konzept der Neosexualitäten steckt. Dazu passt auch unsere Beobachtung, dass wir uns auf die kritische Sexualforschung in unserer Diskussion meist allein affirmativ bezogen haben – die Diskussion von Ablehnung oder Grundsatzkritik einer Wissenschaft über das Sexuelle fehlt in unserer Auseinandersetzung. Auch hätten wir uns gerne mehr mit den (notwendigen) Ambivalenzen politischer Interventionen beschäftigt, welche zur Entpathologisierung gesellschaftlicher Minderheiten bestimmte – und dann natürlich: auch wieder ausschließende – V ereindeutigungen vornehmen; zu Reflexionen, die auch der kritischen Sexualwissenschaft selbst nicht fremd, sondern die ihr ganz im Gegenteil immer immanent sind, sind wir leider nicht mehr gekommen. So ist jetzt zwar alles Mögliche vertreten, aber vieles eben auch nicht. Diese Selbstkritik trifft jedoch nicht die einzelnen Veranstaltungen und Workshops, sondern betrifft ganz dezidiert das Gesamtprogramm. Jede der einzelnen V eranstaltungen korrigiert die Unbestimmtheit des Gesamtkonzepts. Es gibt Elefanten und Zwitscherentchen, dazwischen ist weite Steppe. Einen Kanon singen wir jedenfalls nicht.
Die Internet Ankündigung ist leider so unästhetisch, dass sich einem fast der Magen umdreht,nichtsdestotrotz, hier die Ankündigung die auch keine Zeit aufbrachte sich mit Fragen des Geschmacks zu befassen. Farbkasten und Zeitbudget gaben nichts anderes her. Zusätzlich der Hinweis dass es sich um ein Experiment handelt, welches mit größter Wahrscheinlichkeit zu Schmerzen für alle Beteiligten führt. Ausserdem behalten wir uns natürlich vor, etwas ganz anderes zu tun, und das Publikum, dass dessentwillen gekommen ist, auch noch zu enttäuschen. Die Verpackung prahlt mit Inhalten die wir (vielleicht) zuhause lassen. Der Inhalt wird frech und brüskiert den/die Konsument(inn)en, die sich so zurecht betrogen fühlen.
“Feminismen und ‘Neue Politische Generation’: Wie konstituiert sich feministische Praxis?”
Buchvorstellung und Diskussion mit den Autorinnen Anne Lenz und Laura Paetau
Donnerstag, 15.10.2009, 20.00 Uhr im IvI (Institut für vergleichende Irrelevanz, Kettenhofweg 130)
Wie lassen sich “Feminismus” und “FeministIn sein” heute praktisch denken? Welche Handlungsoptionen sind daraus ableitbar? Welche Wirkungsfelder fokussieren die AktivistInnen? Und auf welche Theorien gründet diese politische Praxis? Anne Lenz und Laura Paetau beleuchten aktuelle feministische Strategien und Ziele in Bezug auf die politische Praxis und deren Organisation. Zu diesem Zweck befragen sie in qualitativen Interviews AktivistInnen aus linken Berliner Gruppierungen, die sich als “Neue Politische Generation” kategorisieren lassen. Es kristallisieren sich Perspektiven für die Politisierung von Geschlechterverhältnissen sowie die vielfältigen Bedeutungen des’F-Worts’ heraus. Neben der Analyse und Typologisierung von Formen und Inhalten aktivistischer Strategien lassen sich Bezüge zur frauenbewegten Praxis und zu poststrukturalistischen feministischen Theorien herstellen. Abseits der im Rampenlicht stehenden Pop-Feminismen offenbaren sich hier Handlungsräume für Feminismus.
Am 19. und 20 Juni wird die Unlike im Ivi ein Wochenendseminar zum Thema Feminismus anbieten. Dabei wird es darum gehen, (scheinbar) vergessene Positionen zu diskutieren und für die politische Praxis nutzbar zu machen. Es wird einen kostenlosen Reader zum Seminar geben, weswegen eine Anmeldung notwendig ist. In den nächsten Tagen erfahrt ihr hier mehr Details zum Seminar!
Update Workshop Programm:
WICHTIG: Anmeldung erforderlich, da wir Reader mit den Texten für alle drucken! Einfach uns ne Email schreiben!
In den vergangenen Jahren hat sich innerhalb der (radikalen) Linken immer mehr das (Selbst)Verständnis durchgesetzt, dass Geschlecht ein Konstrukt, Zweigeschlechtlichkeit irgendwie abzulehnen und Sexismus anzugreifen ist. Damit ging aber auch eine Entsorgung feministischer Theorie und feministischer Kämpfe einher, die lange Zeit die Debatten innerhalb der (radikalen) Linken entschieden beeinflussten. Mit dem Verweis darauf, dass die Kategorien „Mann“ und „Frau“ problematisch seien, wird die Auseinandersetzung mit diesem Thema oft schon beendet bevor sie richtig begonnen hat. So gerät eine Reflexion darüber wie Männlichkeit und Weiblichkeit gesellschaftlich hergestellt werden, wie die gesellschaftliche Realität der Zweigeschlechtlichkeit den eigenen Alltag regiert und wie dadurch (auch innerhalb sich als emanzipatorisch verstehender Zusammenhänge) „Frauen“als „Frauen“ unterdrückt werden in Vergessenheit.
Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, feministische Theorie und Praxis aus dieser Vergessenheit zu holen und ihre Wichtigkeit für eine (radikale) Linke zu diskutieren. Gemeinsam wollen wir in diesem Seminar Fragen nachgehen wie Menschen in ihrer jeweiligen Geschlechtlichkeit hervorgebracht werden, was dies für ihre alltäglichen Lebenswelten bedeutet, welche Verhaltensweisen ihnen offen stehen und welche ihnen systematisch erschwert werden und wieso immer noch die dringliche Notwendigkeit besteht, Forderungen für „Frauen“ als „Frauen“ zu erheben – wie also mit der kontinuierlichen Reproduktion patriarchaler Verhältnisse (auch innerhalb der Linken) umgehen?
Zu diesem Zweck werden wir an zwei Tagen gemeinsam feministische Texte lesen und diskutieren.
Programm
Freitag, 19.06.09 17.00 Uhr
Beginn, Begrüßung
17.30 Uhr
Feminismus als soziale Bewegung (Kurzreferat)
18.15 Uhr
Sozialisation und Geschlechtsidentität
20.00-22.00 Uhr
Feministisches Kino
Samstag, 20.06.09 12.00 Uhr
Feministische Wissenschaftskritik
13.45 Uhr
Die doppelte Vergesellschaftung von Frauen
15.15 Uhr
Pause
16.00 Uhr
Feminismusin der Diskussion/ feministische Kritik am Feminismus
18.30 Uhr
Sexismus in der Linken