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16. Gegenuni: Theorie–Praxis–Party

16. Gegenuni: Theorie–Praxis–Party

deckblattWas unter dem Namen „Gegenuni“ firmiert und dieses Semester zum 16. Mal stattfindet, war immer auch der Versuch, dem Motto des Instituts für vergleichende Irrelevanz, „Theorie–Praxis–Party“, gerecht zu werden. Nur konsequent, oder bereits völlig überfällig, dass sich nun explizit dieses Themas angenommen wird. Mit Blick auf das zehnjährige Bestehen des Instituts scheint eine Reflexion der bisherigen politischen Arbeit sinnvoll und angesichts der momentanen „Obdachlosigkeit“ bitter nötig.
Neben einer Reflexion über Sinn – und Unsinn – des Instituts, muss über Möglichkeiten des Fortbestandes diskutiert werden. Dabei wollen wir uns auch damit auseinandersetzen, wie Theorie–Praxis–Party in den letzten Jahren theoretisiert, praktiziert und gefeiert wurden und hoffen einen Beitrag dazu zu leisten, gemeinsam darüber nachzudenken, wie das in Zukunft sein könnte. Gleichzeitig ist es das Ziel dieser Gegenuni, Veranstaltungen zu denjenigen Themen anzubieten, die auf unterschiedlichen Ebenen im IVI Relevanz haben oder hatten. In den letzten acht Jahren fanden die Veranstaltungen der Gegenuni im Gebäude des Instituts im Kettenhofweg 130 statt. Dieses Gebäude wurde von der Universität Frankfurt an einen privaten Investor verkauft, der es am 22.
April dieses Jahres polizeilich räumen ließ. Bereits im letzten Jahr ließ der neue Besitzer die Gegenuni gerichtlich verbieten. Sie konnte dennoch im Institutsgebäude ihren Ort finden, weil sie nur zum Schein verlegt wurde. Das geht nun nicht mehr. Das Institut hat derzeit keine Räumlichkeiten mehr, so dass wir gezwungen sind die Veranstaltungen auf verschiedene Orte in der Stadt zu verteilen. Die Gegenuni muss also diesmal tatsächlich „im Exil“ stattfinden.

*Institut für vergleichende Irrelevanz: Negierte Interessen und abgewickelte Theorieansätze*

Die Benennung des Instituts wurde durch Umberto Ecos Buch „Das Foucaultsche Pendel“ inspiriert. Ecos Erfindung einer „Fakultät der vergleichenden Irrelevanz“ stellt eine Kritik am akademischen Betrieb dar, der um des Forschens willen forscht, ohne sich darüber zu verständigen, was eigentlich wissenswert wäre. Im IVI wird der Begriff ‚Irrelevanz‘ einerseits auf gesellschaftlich für irrelevant erklärte Gruppen angewendet, deren Interessen und Bedürfnisse negiert werden.
Andererseits geht es um an der Uni irrelevantisierte Theorieansätze, die im universitären Betrieb verdrängt und vereinnahmt werden: etwa die
Sexualwissenschaft, die Psychoanalyse oder die kritische Theorie. Weil im IVI an deren emanzipatorischen Gehalt festgehalten wird, wird versucht ihnen Zeit und Raum zurückzugeben und sie so weiterzudenken.

*Theorie–Praxis–Party: Vermittlung des Getrennten?*

Bei dem Dreiklang „Theorie-Praxis-Party“ ging es in den vergangenen Jahren insbesondere um die Vermittlung von Bereichen, die sonst eher als getrennt voneinander gedacht werden: Theorie und Party, Alltag und Kunst, Praxis und Theorie, Kopf- und Handarbeit. Der Intuition folgend, dass jede Party immer schon politische Praxis ist, jede politische Praxis sich theoretisch verortet und theoretische Reflexion in den gegenwärtigen Verhältnissen unabdingbar ist, stellt das IVI den Versuch einer Vermittlung dieser in der bürgerlichen Gesellschaft notwendig getrennten Bereiche dar.

*Kritisches Denken braucht und nimmt sich Zeit und Raum*

Diese Parole hatte ihren Ausgangspunkt in der autoritären und an instrumenteller Vernunft orientierten Umstrukturierung der Universität, mit der die ohnehin geringe Möglichkeit der Mitbestimmung dezimiert wurde. Damit einher ging in Frankfurt eine inhaltliche Umorientierung: von der re- zur de-education. Die Forderung nach Zeit und Raum bedeutet eine Forderung nach Zeit zur Reflexion, eine Verweigerungshaltung gegenüber Fremdbestimmung und Ausrichtung an Effizienzkriterien. Sie verweist auf die Erfahrung, dass für jene Reflexion, ein gemeinsamer Ort, ein Raum, der anders funktioniert als die Universität, notwendig ist. Dabei wollte das IVI zumindest versuchen, dem Elend im Studierendenmilieu zu entfliehen. Die Verfügung über Zeit und Raum sind Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Lernen und Leben. Als eine solche Aneignung von Zeit und Raum, als einen „Stützpunkt“, versteht sich das IVI – auch, wenn der Raum derzeit noch fehlt.

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Programmübersicht. Alle Ankündigungstexte finden sich im PDF.

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Frankfurt steht leer
Fotografische Ausstellung und Debatte

Der immense Leerstand in der Stadt Frankfurt ist Gegenstand dieser fotografischen Ausstellung. Zugleich ist er ein Anlass, um Strukturen zu hinterfragen, die verhindern, dass leer stehende Gebäude und Räume auf andere Weise genutzt und wieder zugänglich gemacht werden.

plakatDie kulturelle Nutzung und Umwandlung von bestehenden Gebäuden in alternative Lebens – und Kulturräume birgt in Frankfurt ein erhebliches Potenzial an Lebendigkeit, die sich weder am Reißbrett der Projektentwickler planen lässt, sondern Ausdruck emanzipatorischer Stadtpolitik ist.
Die derzeitig vorherrschende oktroyierte Planung verursacht eine Masse an Raum, der in seinen Wirkungen und seiner Nutzbarkeit in grotesker Weise an den Erfordernissen einer lebendigen Stadt vorbei läuft.

Das zeigt sich nicht nur an der prekären Situation von Kulturschaffenden, die bei ihrer verzweifelten Suche nach
geeigneten Räumen allein gelassen werden, sondern überdeutlich auch an der Lage auf dem Wohnungsmarkt, der Wohnen nur noch für Privilegierte zulässt. Dadurch wird das Verhältnis zwischen der faktischen Nutzung des Raums auf der einen, und dem wirklichen Bedarf und dem Wert der Teilhabe aller am Raum auf der anderen Seite in eine untragbare Schieflage gebracht.

Diese Ausstellung will mit Bildern von ausgewähltem Leerstand diese Situation dokumentieren und zum Nachdenken anregen: das heißt, zu einer Debatte beitragen, in der über Möglichkeiten der Umnutzung von leer stehenden Gebäuden nachgedacht wird und deren ungenutztes Potenzial offenbar wird.

Leerstand in Frankfurt

Einführungsveranstaltung
Mittwoch 10.10.2012 19:00 Uhr

“Hintergründe und Chancen des chronischen Leerstandes in Frankfurt”

“Gemeinschaftliche Wohnprojekte – wo gibt es in Frankfurt Perspektiven für neue Wohnkultur”

“Wohnungsnot und Gentrifizierung in Frankfurt – Beiträge der Humangeographie für aktuelle Stadtpolitik”

Diskussion & Austausch
Umtrunk & Schnittchen
Besichtigungsmöglichkeit des Instituts für vergleichende Irrelevanz
(18h und 21h)

Ausstellung
10. – 13. Okt. 2012
täglich von 17 – 20h

Finissage und Film
13.10.2012 um 19:00

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Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI)

2003 wurde im Rahmen der Studierendenproteste ein leerstehendes Unigebäude im Kettenhofweg 130 besetzt und darin das Institut für vergleichende Irrelevanz gegründet (IvI).

Das IvI versteht sich als als selbstorganisierter Raum, welcher Menschen unabhängig ihres Geschlechts,ihrer Herkunft,ihres Alters oder Sexualität die Möglichkeit gibt, sich so frei wie möglich von gesellschaftlichen Zwängen selbstbestimmt zu bewegen.

Das IvI zu einem Ort entwickelt, in welchem Wissenschaftler_innen, Bands, Künstler_innen und anderen Engagierten Theorie, Praxis und Party leben und ihren alternativen Gesellschaftsentwurf verwirklichen können. Im Rahmen der aktuellen universitären wie gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen erscheint es notwendiger denn je, dass Räume und Projekte wie das IvI die Möglichkeiten offen halten, sich in kritischer Auseinandersetzung und Reflexion zu und trotz diesen Verhältnissen entwickeln zu können.

Die immer stärker zunehmenden sozialen Ausgrenzung, Umstrukturierung ganzer Stadtteile sowie des universitären Betriebes machen es unumgänglich, dass kritisches Denken Zeit und Raum braucht und sich nimmt, um diesen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten.

IVIeklig – Vernissage

ivieklig

Ivi Sommerfestival 2012

Aufruf

übearbeitetes Programm:

ab 12 Uhr Ausstellung von Marcus Dinig (Sportraum, 2. Stock + Saal und EG )

ab 13 Uhr Brunch im Erdgeschoss und anschließendes Café im 2. Stock

ab 14 Uhr Vorträge
-15-16 h Roger Behrens, Thema: “Kunst als soziales Verhältnis – Kritische Theorie, Praxis, Ästhetik” (Atelier)
-15-16 h Paul: Gedichtelesung (Bibliothek, 1. Stock)

ab 16:30 Uhr Bands (Atelier)

ARBEIT

HECTOR SAVAGE

SLUMP

MARCEL DAEMGEN + Drummer (unsicher)

ÜBER ALLEM THRONT DAS FLUG

BJÖRN PENG

ISTARI LASTERFAHRER musste leider absagen :(

KLANGEXPERIMENTE

ab 17 Uhr Stummfilmkino (Bibliothek, 1. Stock)

ab Uhr 14 Uhr ‘Kinderfest’
ab 18 Uhr Grillen vor dem Haus (vegane Burger) bis ca. 23 Uhr
ab Dunkelheit: wahrscheinlich Feuerjonglage (noch unsicher)

FB-Event

http://sommerffm.wordpress.com/

Mit freundlicher UNterstützung durch den AStA der Uni Frankfurt

Ausstellung Markus Dinig Massenkunst und Massenbildung

Ausstellungseröffnung Markus Dinig Massenkunst und Massenbildung

mkb2

öffnungszeiten:
donnerstag 0507 vernissage 1900 uhr bis open end
freitag 0607 parallel zum asta sommerfest 15.00-22.00
samsatg 0707 parallel zum ivi soli sommerfest 12.00-22.00
dienstag finissage 15.00-22.00

Plakat

Sommer in Frankfurt 2012

Ver-Ortet in ZwischenRäume

Bezahlbarer Wohnraum ist in Frankfurt wieder einmal kaum zu finden, ebenso haben gemeinsame ‚öffentliche’ Räume noch nie lange Bestand gehabt, selbst die letzten Orte, wie z.B. das Institut für vergleichende Irrelevanz oder die Schumannstr. 60, werden auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Für ein selbstbestimmtes Leben – chillen, lernen & arbeiten – gibt es kein Platz. Andere Ideen, wie die Stadt & somit unser Leben auszusehen hätten, werden weiter marginalisiert.
Gegen diese Zustände gilt es einen Zusammenschluss der Minderheiten zu setzen.
Es liegt ans uns zwischen den bestehenden offiziellen Räumen Orte zu finden.

Am 30.06 werden die „Initiative Zukunft Bockenheim“ & „Offenes Haus der Kulturen“ ein prachtvolles Straßenfest veranstalten.
Freitags dann, am 6. Juli findet ab 17 Uhr auf dem Canpus Bockenheim das AStA Sommerfest statt…
…und einen Tag später, am Samstag, den 7. Juli wird die Feier beim IVI Sommerfest gleich fortgesetzt.

http://sommerffm.wordpress.com/

29.06.2012 Happy Birthday, Werner Lansburgh

Ein Abend in Texten und Bildern
Beginn 20h

happy birthaday werner lansburgh!
in erinnerung an den autor von ‘dear doosie’, anlässlich seines 100.sten geburtstags, findet am freitag den 29.6. im institut für vergleichende irrelevanz, kettenhofweg 130, im zweiten stock, um 2o uhr, ‘ein abend in texten und bildern’ statt.

werner lansburgh, 1912 in berlin geboren und 1990 gestorben, lebte als exil-autor jüdischer herkunft in schweden und durchlebte 40 jahre lang dort eine typisches emigrantenschicksal: verlust der sprache, verlust der möglichkeit seine existenz zu sichern, verlust der identität, bis er im späten alter mit ‘dear doosie’ einen bestseller-erfolg im deutschsprachigen raum erzielte und dadurch anerkannt wurde als autor der deutschen sprache. sein bewegtes leben, das ihn durch mehrere länder führte, hat er mit viel charme und humor in seiner ‘dear doosie’ reihe verarbeitet.  ‘doosie’, das ist eine kunstfigur, die sich sich aus den personalpronomen ‘du’ und ‘sie’ zusammensetzt.  so wie auch die wortschöpfung ‘doosie’, ist auch das buch ein mix aus fiktion und biographischen splittern,  in dem der autor dem leser spielerisch den zugang zur sprache des angelsächsischen raums eröffnet oder auch allgemein gesprochen der universellen bedeutung der sprache bzw. welche dramatische existenzbedrohung deren verlust bedeutet. oder um es mit den worten von werner lansburgh zu sagen: ‘jeder mensch hat sein exil. nimm meines als gleichnis für deines.’