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Offener Brief des Ivi

Offener Brief des Ivi an die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Frau Eva Kühne-Hörmann, den hessischen Finanzminister Herrn Dr. Thomas Schäfer, den Präsidenten der Goethe-Universität Frankfurt Herrn Prof. Dr. Werner Müller-Esterl:

Sehr geehrte Frau Kühne-Hörmann,
sehr geehrter Herr Dr. Schäfer,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Müller-Esterl,

wir, die Mitarbeiter_innen des Instituts für vergleichende Irrelevanz (IvI), Kettenhofweg 130 in Frankfurt am Main, haben in der letzten Woche durch eine Pressemitteilung des Präsidiums der Frankfurter Goethe Universität von Verhandlungen der Universität über den geplanten Verkauf des Gebäudes erfahren. In einem Anschreiben wurden wir vom Immobilienmanagement der Universität dazu aufgefordert, eine Kontaktperson für Verhandlungen mit dem zukünftigen Eigentümer zu benennen.

Wir wenden uns entschieden gegen diese Form der Kommunikation. Wir fordern Sie dazu auf, den Verkaufsprozess unverzüglich zu stoppen und eine demokratische und transparente Diskussion um die Zukunft des Instituts zu ermöglichen. Sie scheinen sich zu keiner Zeit mit der Arbeit des Instituts auseinandergesetzt zu haben, sonst hätten sie den Verkauf nicht so leichtfertig beschlossen. Es ist widersinnig, den Verkaufserlös auf Forschung und Lehre zu verwenden und gleichzeitig ein ganzes Institut faktisch zu zerstören.

Das IvI ist das Versuchslabor einer Verbindung von Wissenschaft, Kultur und Alltag, das nicht nur einer universitären Öffentlichkeit zugänglich ist. In den acht Jahren seines Bestehens hat das IvI ein Programm mit zahlreichen Seminaren und Kongressen, Lektürekursen und Forschungswerkstätten, Konzerten, Ausstellungen und Theateraufführungen ermöglicht. Begleitet wurde dieses Programm durch regelmäßigen Cafébetrieb, Barabende und gemeinsame Essen. Inhaltliche Auseinandersetzungen, praktische Organisation des Institutsbetriebs und formlose Zugänge greifen ineinander und befördern einen trans- und interdisziplinären Prozess. Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts sind ehrenamtlich tätig, die Veranstaltungen erfolgen zum Selbstkostenpreis.

Der Verkauf und damit die Privatisierung dieses öffentlichen und durch das IvI wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Gebäudes bedeutet das Ende des Projekts in seiner jetzigen Form. Dies würde sowohl für die Universität wie für die Stadt Frankfurt eine Lücke in Kultur und Wissenschaft hinterlassen.

Wir laden Sie dazu ein, sich über uns zu informieren und sich persönlich vor Ort einen Eindruck von unserem Projekt zu verschaffen. Im Anhang finden Sie dazu erste Informationen. Im Sinne der Transparenz fordern wir Sie auf, den Verhandlungsverlauf offen zu legen und den potentiellen Käufer zu benennen.

Mit freundlichen Grüßen,

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für vergleichende Irrelevanz